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Axel Pätz - MEHR!

13.10.2021
20:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Watt'n Hus - Freizeit- und Informationszentrum, Südstrand 11
Büsum

Weitere Informationen zur Veranstaltung:

Wir haben es geschafft. Willkommen im Anthropozän!Die Erde ist uns untertan, wir haben alles, was der Mensch braucht und was kein Mensch braucht,haben wir doppelt und dreifach. Wir kommen an die entlegensten Winkel der Welt, in die tiefstenTiefen, auf die höchsten Gipfel, wir kommen auf den Mond, auf den Mars, nur auf eines kommenwir nicht: Auf die Idee mal innezuhalten, uns mal zu fragen: Wo führt das alles hin?Denn egal, was wir haben , wir brauchen MEHR! Logisch: "Her damit" klingt doch vieldynamischer als: "Bin bisher auch ganz gut ohne klar gekommen"Das Wachstumsdogma ist unumstößlich, treibt uns schneller, höher, weiter auf der nach obenoffenen must-have-Skala. Wer rastet, der kostet, und Kosten sind das einzige auf das wir gerneverzichten.Bankenkrise, LockDown, Börsencrash - nichts kann den Konsumklimaindex dämpfen. Dinge,von denen unsere Eltern noch nicht ahnten, dass es sie jemals geben würde scheinen unsunentbehrlich: Computer, Smartphone, unbegrenztes Datenvolumen, Laubpuster, musizierendeUnterhosen, Raumspray mit Hühnersuppenaroma und Eierschalensollbruchstellenverursacher.Haben Sie noch nicht? Dann aber nix wie ab in den Online - Shop!Der Wohlstandsbürger besitzt statistisch zwei Autos, vier Mobiltelefone und eineinhalbAufsitzrasenmäher. Dabei hat nur jeder fünfte einen Garten.Klar, bei so rasantem Fortschritt muss man Widersprüche in Kauf nehmen: Wer sich alle drei Jahreeinen neuen SUV kaufen will, kann nun mal nicht mehr als 1,99 für ein Kilo Schweinefleischzahlen. Wir haben Waschmittel für blütenweiße Hemden, aber braune Flecken in derGesinnung kriegen wir eifach nicht raus. Und: macht es bei technischen Qualitätsprodukteneigentlich einen Unterschied, ob man mit dem Laubpuster die Blätter vor der Haustür, oder mitschwerer Artillerie Protestierende vor dem Regierungspalast wegpustet?Die größten Ängste der Deutschen sind nicht mehr Hunger, Armut, Krieg, sondern Tempolimit,kein Klopapier mehr und daß der Syrer von nebenan den schöneren Gartenzwerg hat.Bei seltenen Erden denkt inzwischen keiner mehr an die Einzigartigkeit unseres Planeten, sondernan die zunehmende Vormachtstellung der Chinesen. Terra ist in erster Linie ein Synonym für ganz,ganz viel Speicherplatz. "Schöpfung" nur noch ein Suffix von "Wertschöpfung"Und keiner kann der Maximierungs - Falle entkommen. Daher spielt Axel Pätz in seinem aktuellenSoloprogramm sechshändig Klavier und Akkordeon, bedient simultan mit den Füßen einelebensgroße Klappmaulpuppe und intoniert dazu ein sechsstimmiges GregorianischesObertonmadrigal.Mit präzisem Blick und feinem Sarkasmus entwickelt Axel Pätz ein skurrriles Panorama der Weltdurch die wir uns alltäglich kämpfen. Er beschreibt das große Glück des Grillens, sorgt fürBombenstimmung mit einem Rüstungsexport - Gassenhauer, präsentiert die Steuererklärung aufdem Kronkorken und besingt eine Sonderbegabung beim Verzehr von Kartoffelchips. Von "A" wie"Autowahn" bis "Z" wie "Zahnreinigung": nichts kann seinem satirischen Rundumschlagentkommen.Nebenbei erobert er sich die musikalische Deutungshoheit über den heiß diskutierten Heimatbegriff,und auch große Emotionen kommen nich zu kurz: Spätestens bei der herzzerreißenden Ballade vomAltglascontainer wird man mitfühlend seufzen: "Mehr!"."Ich mag eigentlich kein Klavierkabarett, aber bei Ihnen hat mich die Musik gar nicht gestört".Diese zweifelhafte Äußerung eines Gastes versteht Tastenkabarettist Axel Pätz durchaus alsKompliment. Zwar bedient er Klavier und Akkordeon recht virtuos, aber auch so beiläufig, dassseine geschliffenen Texte und sein hinterlistiger Wortwitz dahinter nicht verblassen. Danebenüberzeugt er mit gekonntem Schauspiel und beeindruckender Stimmgewalt. Zahlreiche KabarettundKleinkunstpreise sind dafür ein Beleg.So hat sich Axel Pätz nicht nur große Anerkennung unter den deutschsprachigenMusikkabarettisten erspielt, sondern ist auch als Autor bei namhaften Bühnen gefragt. Unteranderem schreibt und komponiert er für die Distel in Berlin, Die Dresdner Herkuleskeule und dasHamburger Theaterschiff, wo er inzwischen auch Ensemblemitglied ist.Vorverkauf: ab 15 Abendkasse: ab 17 Tickets sind unter www.buesum.de und an der Theaterkasse, Watt'n Hus, Südstrand 11 erhältlich.

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