Kulturpreis 2006

Paul-Heinrich Gnekow

Paul-Heinrich Gnekow

Der Preisträger

Mit seinem 55-jährigen Wirken als Meister in der Steinmetz- und Bildhauerkunst hat sich Paul-Heinrich Gnekow um Kultur, Handwerkstradition und Identität Dithmarschens verdient gemacht.

Ihm ist es gelungen, der Heimatverbundenheit der Menschen an der Westküste, wo auch seine Wurzeln liegen, in Stein, Metall und Worten Ausdruck zu verleihen und so für die Nachwelt lebendig zu erhalten. Mit seiner Kunst diente er dem einzelnen Menschen und der Gemeinschaft.

Durch Vorbild und Engagement hat der Meisterschüler von Theo Schmidt-Reindahl und Artur Sansoni den Stellenwert des Bildhauer- und Steinmetzhandwerks in Schleswig-Holstein entscheidend gefördert. Mit dem Qualitätszeichenwettbewerb war er als junger Meister seiner Zeit voraus. Objekte, sie seine Handschrift tragen, sind allgemein verständlich.

Für diese herausragende Leistung verleiht ihm der Kreis Dithmarschen den Kulturpreis 2006.

Der Marner Paul Gnekow war mit 22 Jahren einer der jüngsten Meister Deutschlands
Wenn Paul Heinrich Gnekow, geboren am 16. Oktober 1928 in Marne, noch einmal die Wahl hätte, würde er sich wahrscheinlich einen anderen Beruf aussuchen. "Es ist eine körperlich schwere Arbeit", erzählt der Marner Steinmetz und Steinbildhauer. Doch in seiner Kindheit wurde über den Berufswunsch nicht diskutiert. Es stand fest, dass er den Betrieb seines Vaters übernimmt, genau wie dieser ihn von seinem Vater übernommen hatte.
Gnekow lernte Steinmetz, "den ältesten Beruf der Welt", anschließend noch das Bildhauerhandwerk, absolvierte er 1951vor der Handwerkskammer Bayreuth im Eilverfahren die Meisterprüfung und gehörte mit 22 Jahren zu den jüngsten Steinmetzen Deutschlands.

Nur die wenigsten Handwerker können auf eine so lange Zeit als Meister zurückblicken wie der Träger des Dithmarscher Kulturpreises 2006. Von der Handwerkskammer Lübeck erhielt Gnekow dafür den "Goldenen Meisterbrief".

Laudatio auf Paul Heinrich Gnekow
von Pastor Dr. Dietrich Stein

Anfang November hatten wir hier in Dithmarschen Besuch von einer polnischen Delegation. Neben dem offiziellen Programm war auch Raum, den Gästen einiges zu zeigen, was prägend und landestypisch ist. An einem Nachmittag fuhren wir darum durch den Speicherkoog zum Sperrwerk. Die Gäste sollten die imposanten Schleusen sehen und von dort die Nordsee betrachten.

Als wir dort waren, eilten die Gäste - wie auf Verabredung-  alle zum Deicharbeiterdenkmal auch - "Trutz -Blanker Hans" genannt, bestaunen es, berühren es lange und intensiv, lobten das Werk und den Künstler - "das ist eine sehr gute Arbeit". "Der kann was, der das gemacht hat" - und ließen sich mit den "Deicharbeitern" fotografieren.

"Trutz - Blanker Hans" ist wohl eines der bekanntesten Werke von Dir, Paul. Die Leute mögen es, haben unmittelbaren Bezug dazu, gerade auf dem Hintergrund der Nordsee und des Deiches. Kunstwerk und Kunstort sind da eine wunderbare Verbindung eingegangen. Die Steine auf der dem Meer zugewandten Seite und dir vom Land her sich gegen die Wucht des Meeres stemmenden Menschen sind ein Werk: Deicharbeiterdenkmal und mehr.Paul Heinrich Gnekow ist das wichtig:  in dem Stein die Form zu finden, die er als Künstler herausschlägt, herausmeißelt. Das führt zu einem realistischen oder auch zu einem mehr abstrakten Ergebnis, wenn ich etwa an die "Beschützte Freiheit" denke. Die Marmorausführung dieses Werkes findet sich in Brunsbüttel.

Ein Gedanke, ein Thema, ja selbst eine Geschichte wird soweit komprimiert, dass eine reale Form daraus wird. Das ist auch so bei "Ikarus und Daedalus" in St. Michaelisdonn oder bei dem Relief "Orpheus und Eurydike" im Marner Gymnasium.

Der Künstler hat viele Möglichkeiten, sein Werk zu verwirklichen. Er kann auch eine Idee, die ihm vorschwebt, erst einmal umsetzen in eine rasche Skizze oder in ein Gipsmodell. Immer aber bleibt die Beziehung zwischen Form und Material, zwischen Idee und Umsetzung sozusagen lebens- und schaffensnotwendig.

Paul Heinrich Gnekow hat lange Jahre als Steinmetz Grabmäler und Ehrenmale gemacht, aber auch Portraitbüsten und Entsprechendes. Und als er keine Grabsteine mehr machte nach Aufgabe dieses Arbeitszweiges, hat er sich weiterhin dem Thema des Individuums gestellt.

Denn das hat ihn in seiner Arbeit von Anfang an bestimmt: Grabsteine sollten keine Zweckarbeiten sein, sondern individuelle Zeichen für individuelles Leben. So wurde jeder Grabstein für ihn zu einer einzigartigen Aufgabe, nicht nur von der Form her, sondern auch auf die Mitteilung hin.

Gerade in jenen Jahren, als er seine Marner Steinmetzwerkstatt betrieb, hat Paul Heinrich Gnekow sich auch mit den unterschiedlichsten Schriften sehr intensiv beschäftigt. Es ist bisweilen geradezu ein ästhetischer Genuss, seine Inschriften nicht nur zu lesen, sondern anzuschauen.

Auf unseren Friedhöfen befinden sich zahlreiche Grabsteine aus der Marner Werkstatt, die von den Menschen erzählen, sie darstellen in ihrer einmaligen Persönlichkeit, die dort begraben sind, dort ruhen. Die darauf verweisen, dass dem Leben etwas Einmaliges Unverwechselbares zukommt - etwas Bleibendes auch jenseits der Zeit.

Entdecken Sie diese Grabsteine. Und wenn Sie einen sehen, der Katze und Maus ist, dann werden Sie - trotz dem Tod!- ein lebensvolles Schmunzeln nicht verbergen können.

Ich denke auch an die Ehrenmäler, etwa in Tolk oder Gudendorf, die von den Toten der Kriege erzählen und zum Frieden, zur Vergebung aufrufen. Wir sehen im Geist die Lebenden, die unsere Solidarität gegen den Krieg und das Töten fordern.

Barlt: Ein Frühwerk Gnekows, wo eine junge Familie voller Hoffnung in die Zukunft schaut, den Frieden baut. Und der aus Holz gefertigte Auferstandene in der Marner Friedhofskapelle über dem Altar, vor dem ich so oft als Pastor damals gestanden habe, weist auf das je eigene und einmalige Leben. Der Blick auf ihn hat mir manchesmal gutgetan, hat gestärkt.

Zu den Werken jenseits von Friedhöfen und Ehrenmälern, die aber ebenso individuelle Zeichen für individuelles Leben sind, gehört auch das vor zwei Jahren entstandene Denkmal für Thomas Backens in Marne.

"Ein lustiger Gnekow ist mir lieber als ein steifer Barock"- dieses Zitat des Restaurators Jochen Seebach lässt sich als Motto nehmen für Paul Heinrich Gnekows Schaffen, das sich durchaus geprägter  Formen- und Stilsprache verpflichtet weiß. Typisch ist für ihn, wie er damit umgeht, wie er auch dabei durchaus seine Ideen, Gedanken und Formensprache mit einbringt.

Das hat er beispielhaft in Lübeck getan, mit der Restaurierung der Figuren vom sandsteinernen Portal des Füchtlingshofes in der Glockengießergasse, einem Altenheim aus barocker Zeit, Mitte 17. Jahrhundert. Die Figuren waren verwittert, mussten neu geschaffen werden. Wer sie sieht, erkennt sofort Gnekows Handschrift, auch wenn der Stil durchaus barock bleibt.

Und im "Poseidon" von der Puppenbrücke lacht einen der Künstler selbst an, der sich sozusagen aus dem griechisch-mythologischen Kostüm herausschält.

Herrlich auch das gotische Motiv des Erzengels Michael im Tympanon der Kirche von St. Michaelisdonn: Als Paul Heinrich Gnekow meinen Kollegen Pastor Uwe Kraupner auf die sonderbaren Kronen der Drachenköpfe verwies, staunte der und lachte. Ja, die Kronen haben die vier Zeichen des französischen Kartenspiels Pique, Kreuz, Herz und Karo und laden sozusagen zum Kartenspiel ein.

Ein ganz anderes Werk, die schöne Marie in der Barlter Kirche - ein Bronzeguss nach der von Paul Heinrich Gnekow neugeschaffenen Maria im Lübecker Holstentor - erfreut mich immer wieder: Spätgotik und Gnekow haben da ein sehr besonderes Kunstwerk bewegt.

Das ist ähnlich wie beim Deicharbeiterdenkmal - die Leute mögen das Kunstwerk, schauen es an, fassen es an. Es strahlt Mütterlichkeit, Geborgenheit aus, aber auch Neugier und friedvolle Zukunft. Maria ist und bleibt die Patrona Dithmarsiae.

Die Kirche in Heide-Butendiek ist gefüllt mit Werken des Marners: vor dem Eingang der Fisch, in der Kirche Osterleuchter, Kreuz, Taufbecken, in christlicher Formen- und Symbolsprache, aber unverwechselbar Paul Heinrich Gnekow. Einfach schön das trinitarische Symbol der drei Fische im Taufbecken.

Paul Heinrich Gnekow ist ein Künstler, der mit seiner Kunst auch seine Lebensfreude und Lebenszugewandtheit darstellt. Paul, Du hast mal gesagt, dass Du - gerade jetzt im Alter - bis zum Tod das tun möchtest, was Dir Freude macht. Als Beispiel sehe ich dafür das Relief von den Sieben Schwaben in Lübeck, die so doofmutig gegen den Hasen angehen und sich nicht mehr einkriegen können.

Oder auch die verregnete Skulptur der "Badefreuden an der Nordsee" in Westerdeichstrich. Aber auch Werke, die mit unserer Dithmarscher Geschichte verbunden sind, wie der Stein an dem Ort, wo in Zeiten der Republik die Strandmanndöffte sich traf. Aber auch biblische Themen finde ich dabei: die Holzskulpturen vom Pharisäer und Zöllner. Die mag ich sehr. Sie gestalten ein Gleichnis Jesu aus dem Lukas-Evangelium (18,9 - 14). Der "Zöllner" wirkt geradezu Mitleid weckend bedripst, während der "Pharisäer" ausschaut, als wolle er gleich abheben - da steckt soviel Menschliches drin, da werden so viele Saiten des Gleichnisses zum Klingen gebracht.

Neulich habe ich Dich mal wieder in Deinem Haus besucht, Paul. Wir sind durch den Garten gegangen, den Du zusammen mit Almuth so wunderbar gestaltest, haben uns viele Skulpturen angeschaut - nachher auch die im Haus, haben dann bei Tee und Kuchen lange geschnackt, das heißt, ich hab wohl mehr zugehört. Dabei gab's etliche Gedichte, die Du zu Deinen Skulpturen gemacht hast, aber auch anlässlich bestimmter Begebenheiten.

Euer Garten und Haus, Almuth und Paul, Eure Kinder und ihre Familien, Deine Lyrik, Paul, und Deine Werkstatt, Deine Werke in Haus und Garten, sie zeigen den Menschen Paul Heinrich Gnekow. Bei den - sozusagen - außerhalb stehenden Werken könnte ich immer wieder versucht sein, hinter ihnen den Künstler zu sehen, der einsam seinen Weg geht, mal anerkannt oder auch nicht anerkannt, mal sicheren Gangs, mal auch eher unsicher in sich selbst.

Aber zu Hause, da sieht alles anders, da sieht alles so aus, wie es ist, wie Du bist, voller Leben und auch voller Eigenarten - die zeigen sich gerade auch in der Lyrik. Voller Zuwendung zu den Menschen, gerade auch zu denen, die der liebe Gott als Frauen geschaffen hat.

Bist voller Ideen und Schaffenslust, eben Kreativität, die unsere Gotteskindschaft ja ausweist. Und bist auf dem Weg mit Almuth - man Ihr habt beide schon lang die "Goldene" hinter Euch. Und Almuth ist auch Künstlerin, malt herrliche Blumenbilder - die vergehen nicht. Und Eure Kinder mit ihren Familien sind irgendwie auch präsent, obwohl sie teils ganz weit weg wohnen, arbeiten. Die Freude über sie ist Euch ins Gesicht geschrieben.

Da in Haus und Garten stehen seine Werke, Zeichen des Menschen, der Persönlichkeit Paul Heinrich Gnekow: Kohhannel und Seelöwe, Sonnenuhr und Wetterfischfahne, Pan und Der Kuss. Von weiter her lassen grüßen Oma Stine mit Jörn und Annkathrin und der Schusterjunge. Mit ihnen sag' ich auch: "Herzlichen Glückwunsch zum Kulturpreis des Kreises Dithmarschen!"

Zum Kulturpreis des Kreises Dithmarschen

Der Zufall bracht' ihn dort zur Welt,
Wo's ihm bis heute noch gut gefällt.
Er ward ein leid'ger Zeitgenosse,
Liegt mal im Dreck - mal hoch zu Rosse.

Ist leidlich fleißig alle Tage,
Gern guter Freund - wohl auch mal Plage.
So gehn die Jahre flott dahin.
-Wo lag denn seines Lebens Sinn?

Letztlich in ihm und seinem Tun,
Von dem wir sehn die Früchte nun.
Man ehrt - ansonsten kaum beachtet -,
Nachdem man gründlich es betrachtet.

Des Greisen Lebenswerk,
das allenMal mehr - mal weniger gefallen -
Kurzum ein ganz normales Leben,
Das ihm von seinem Gott gegeben.

Das - wenn die Zeit dafür gekommen -
Ihm wiederum wird fortgenommen.
Und übrig bleibt für die Geschichte
Nur das aus Stein - Holz - und Gedichte.

Doch wird die Welt sich weiter drehen,
Wie wenn ihr weiter nichts geschehen,
Als dass seit Tausenden von Jahren
Ein jedes Menschlein musst' erfahren,
Wie gut ihm - zwischen manchen Leiden -
Sein Leben hoch erfüllt mit Freuden -

Wie meines - heut' in Eurem Kreis -
Durch den mir just verlieh'nen Preis.
Ich danke allen, die gekommen,
Den Heide(r)n - Sündern - und den Frommen,
Die mir jetzt das Gefühl gegeben
Dass nicht umsonst mein ganzes Leben.
Noch lange bis zur letzten Schranke
Sag ich für Gottes Gaben: "Danke".

Paul Heinrich Gnekow


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