Kulturpreis 1988

Barbara Wellhausen

Wellhausen Barbara Kulturpreis

Barbara Wellhausen, geboren am 24. Februar 1919 in Oberschlesien, studiert Deutsch, Geschichte und Englisch. Ihr Weg führt von Breslau nach Magdeburg und Berlin, wo sie von 1955 an am Walter-Rathenau-Gymnasium, Berlin-Grunewald, unterrichtet. Als Studiendirektorin a.D. geht sie 1981 in den Ruhestand und übersiedelt aus Berlin nach Wesselburen.

Einen Monat später, August 1981, übernimmt Barbara Wellhausen die Leitung des Hebbel-Museums. Fünf Jahre später wird die Wahl-Dithmarscherin Präsidentin der Hebbel-Gesellschaft. Sie gibt das Buch heraus: "Hebbel in Wesselburen". 1988 erscheint das Leben von Friedrich Hebbel in Texten und Bildern, eine Bildbiographie aus der Feder von Barbara Wellhausen.

Bei der Kulturpreisverleihung am 14. November 1988, hält Professor Dr. Heinz Stolte, Hamburg, die Laudatio.

Am 9. März 1989 heiratet Barbara Wellhausen, jetzt Kulturpreisträgerin des Kreises Dithmarschen, in Gmunden am Traunsee, Österreich, Ingobert Stern. Ingobert Stern ist Witwer. Seine erste Frau Gwendolin Stern, war eine Urenkelin Friedrich Hebbels.

1990 tritt die amtierende Präsidentin der Hebbel-Gesellschaft zurück und wird 1996 zum Ehrenmitglied der Hebbel-Gesellschaft ernannt.

KULTURPREIS AN BARBARA WELLHAUSEN

Barbara Wellhausen freute sich und ist - wie sie selber sagte - auch "ein wenig stolz": seit gestern Abend ist die 69jährige Leiterin des Hebbel-Museums jüngste Trägerin des Dithmarscher Kulturpreises.

"Sie haben der Hebbel-Forschung in Wesselburen zu internationalem Standard verholfen", rief Landrat Hans-Jakob Tiessen der Preisträgerin zu. Unter dem Beifall zahlreicher Gäste übergab Tiessen in Meldorfs "Neuer Holländerei" die Urkunde und ein Geldgeschenk. Vorschläge habe es auch in diesem Jahr wieder mehrere gegeben, betonte der Landrat. Der Preis sei schließlich Barbara Wellhausen zuerkannt worden, weil sie im In- und Ausland als Hebbel-Kennerin schlechthin gelte".

Worte der Anerkennung und des Dankes fand auch Professor Dr. Heinz Stolte (Hamburg), selbst Mitglied im Vorstand der Hebbel-Gesellschaft. Die Preisträgerin verfüge über immense literaturwissenschaftliche Kenntnisse und sei von "enorm frohmütiger Tatkraft".

Mit welchem Motiv Barbara Wellhausen 1981 von Berlin nach Wesselburen übersiedelte, um seither die Hebbel-Arbeit zu koordinieren und immer wieder neu anzustoßen? Die pensionierte Studiendirektorin erzählte es später: Hebbel selbst sei Grund für die Entscheidung gewesen, den Schuldienst ein paar Jahre früher zu quittieren. Der Dichter habe sie mit seinem interessanten und ungewöhnlichen Leben schon seit den ersten Studientagen in den Bann gezogen.

Stolte erinnerte in seiner Laudatio weiter daran, dass das Wesselburener Hebbel-Haus unter der Leitung Barbara-Wellhausens zu einer Einrichtung geworden sei, die in der Literaturwissenschaft beachtung findet. Die Preisträgerin - Herausgeberin zweier Bücher und verantwortlich für bedeutende Ausstellungen - habe persönlich wesentlichen Anteil daran, dass sich inzwischen wieder viele Menschen an Hebbel und seine Bedeutung für die deutschsprachige Literatur erinnern.

Mit seiner Anerkennung für die Preisträgerin verband Professor Stolte eine Mahnung an den Kreis: Der Einsatz im Hebbel-Haus erfordere volle Schaffenskraft, auf Dauer könnte sich die Literaturgesellschaft nicht darauf verlassen, dafür immer ehrenamtliche Kräfte zu finden. Vielmehr müsse die finanzielle Voraussetzung für eine hauptberuflich wissenschaftliche Leitung des Museums geschaffen werden. Stolte warnte: "Sonst ist die Mühe von 80jähriger Bürgerinitiative in Wesselburen irgendwann in Gefahr."

Schließlich warb die Preisträgerin einmal mehr für den von ihr verehrten Dichte und sein Werk. Die Verleihung des Kulturpreises solle in Verbindung mit der Ausstellungseröffnung in Meldorf stehen, hatte sich Barbara Wellhausen gewünscht. Seit gestern sind in der Neuen Holländerei Bilder, Fotografien  und Textpassagen zu sehen, mit denen an Friedrich Hebbels dramatisches Wirken auf deutschen Bühnen erinnert wird.

Kai H. Tange

Aus: Dithmarscher Landeszeitung vom 15. November 1988, abgedruckt im Hebbel Jahrbuch 1989, Heide 1989


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