Kulturpreis 1992

Paul Gosch Möller

Gosch-Möller

 
Paul (eigentlich Paulfriedrich) Gosch Möller, geboren am 28. November 1902 in Husum als Sohn eines Möbeltischlers. Bei Touren mit dem Vater in die Alpen entdeckte der Zehnjährige sein Interesse für Mineralien, die er lebenslang suchte und sammelte. Von 1919 bis 1922 Lehre als Gold- und Silberschmied. Der eigentliche Berufswunsch "Seemann" wurde hintangestellt. 1930 dann eröffnung des ersten Schmuckgeschäftes im Haus Zingelstraße 8.

1931 Einrichtung einer Werkstatt im Hause Ristow (Nordermarkt 7), im Jahr darauf Heirat mit Martha Ristow und erste Ausstellungen, unter anderem in Leipzig (Grassi Museum). 1963 nach Tod des Schwiegervaters Gustav Ristow , der in den 1890er Jahren als Radrennfahrer größere regionale Erfolge einfuhr und selbst Rennen organisierte, Kauf des Niebuhrhauses Nordermarkt 9. 1965 Eröffnung der Domgoldschmiede. In den darauf folgenden Jahren legte der Domgoldschmied ein Niebuhr-Archiv an, baute eines seiner Instrumente zur Landvermessung nach  und ließ ein Modell des Schiffes anfertigen, mit dem der Arabienreisende 1761 aufbrach.

Paul Gosch Möller verstarb am 19. Oktober 1996, fünf Wochen vor seinem 94. Geburtstag.

Laudatio auf Gosch Möller
(Gehalten von Professor Dr. Nis Rudolf Nissen am 29. November 1992 in Brunsbüttel. In der Zeitschrift für Landeskunde und Landschaftspflege Heft 1/1993)

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Herr Möller,

Sie waren einer der ersten, die ich in Meldorf kennen gelernt habe. Eine Woche, nachdem ich am 1. Oktober 1964 mein Amt angetreten hatte, tagte die Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischen Kunsthandwerks in Meldorf und stellte auch im Landesmuseum aus. Ich lernte das Kunsthandwerk, mit dem ich bis dahin nichts zu tun gehabt hatte, gleich aus dem vollen kennen. Und schon bei der ersten Tagung kristallisierte sich die Domgoldschmiede von Gosch Möller als eine der führenden Gold- und Silberschmiedewerkstätten in Schleswig-Holstein heraus.

Dieser Ruf passte eigentlich sehr gut zu dem Eindruck, den Sie, Herr Möller, auf mich machten. Ihre stattliche Erscheinung, Ihre gemessene Art, wenn ich das so nennen darf, Ihre bedachte Sprechweise, vor allem aber der Ausdruck, der Sie als vom künstlerischen Geist berührt kennzeichnet, sind mir seither eine liebgewordene Erscheinung geworden, auch wenn wir uns seither nicht gerade alle Tage gesehen haben. Unsere Kontakte waren aber immer so, dass es mir eine besondere Freude ist, heute einmal über Sie sprechen zu dürfen.

Sie waren damals mit der Einrichtung Ihres neuen Ladens beschäftigt, des heutigen Ladens im Niebuhrhaus. Sie hatten das Haus ungefähr zwei Jahre früher, 1962 übernommen und waren seitdem dabei, es eigenhändig mit Hilfe von Sohn und Familie für Ihren beruflichen und familiären Bedarf einzurichten. Ich habe Sie sehr bewundert, mit welcher Bedächtigkeit und welcher Beharrlichkeit Sie über Jahre hinweg dieses Ziel verfolgten.

Dabei handelte es sich durchaus um schwere und komplizierte Arbeiten, wovon sich jeder überzeugen kann, der Ihren Laden, Ihre Werstatt, Ihren Mineralienkeller gesehen hat oder sich ansehen will. Sie machten das alles neben Ihrer beruflichen Arbeit. Urlaub konnten Sie davon nicht gut nehmen, denn sonst liefen Sie Gefahr, am Ende das Haus nicht mehr brauchen zu können.

Mit dieser kleinen Huldigung sind schon die Stichworte gefallen, die Ihre Lebenskreise kennzeichnen: Ihre Familie, Ihren Beruf, Ihre Mineraliensammlung, Carsten Niebuhr, der vor fast genau 200 Jahren Ihr Haus erbaute.

Ehe wir das weiter verfolgen, vielleicht noch eine kleine Geschichte, die ich für charakteristisch halte. Sie erzählten, wie Sie den Keller des Niebuhrhauses tiefer ausschachten mussten, weil die Deckenhöhe nicht ausreichte, um darin aufrecht zu stehen und ihn als Mineralienkeller herzurichten. Sie hatten für die Arbeiten alles vorbereitet, ein Loch in die Kellerwand geschlagen, um mit der Schubkarre hinausfahren zu können, und wollten mit Ihrem Sohn zusammen am Montag beginnen, den Keller auszuschachten.

Am Wochenende machte aber Ihr Sohn zusammen mit einem Freund, Reimer Schoof, einen Motorradausflug und kam nicht richtig durch die Kurve bei Barsfleth. Die Folge war ein Beinbruch. Der Sohn also fiel aus zum Ausschachten des Kellers.

Dann haben Sie alleine damit begonnen. Es musste die Erde hinausgekarrt werden, und jeweils nach einem Meter galt es, Beton unter das Fundament zu schieben, um Absackungen zu verhindern. Abends, so erzählen Sie, konnten Sie Ihre Knie nicht mehr heben, wenn Sie erst einmal auf dem Stuhl saßen. Sie waren damals 63 Jahre. Noch heute erinnern Sie sich, dass es ein gutes Gefühl war, noch so etwas tun zu können.

Mir fällt dabei Carsten Niebuhr ein. Er war Mitte 60, als er im Meldorfer Moor mit Kultivierungsarbeiten begann. Damals war das Gelände unwegsam und er musste mit Springstöcken über die Gräben springen, mit dem Pferd sehr schlechte Wegstrecken abreiten und bei vielen Dingen Hand anlegen. Auch er, so darf ich wohl sagen, war mit wunderbarer Vitalität begnadet, die sich mit Beharrlichkeit und krampfloser, bedächtiger Arbeitsweise paarte.

Nun, lieber Herr Möller, dieses Kellerausschachten ist sicherlich nicht der Grund für den Kulturpreis, aber es ist eben charakteristisch für Sie. So wie mit dem Keller haben Sie das mit dem ganzen Haus gehalten, ja, ich möchte behaupten, mit Ihrem ganzen Leben. Mit der Mineraliensammlung zum Beispiel, um mit diesem scheinbaren Nebenzweig Ihres Daseins zu beginnen.

Sie haben begonnen, als Sie ungefähr 10 Jahre alt waren. Das war vor dem 1. Weltkrieg. 1912 wurden Sie 10 Jahre, in Husum, wo Ihr Vater ein Möbelgeschäft und eine Tischlerei betrieb, obleich er eigentlich viel lieber Archäologie studiert hätte. Ihr Vater, vor allem Ihr Onkel kannte den Direktor der Lägerdorfer Zementfabrik, Herrn Moosbach. Bei ihm verbrachten Sie Ferien, und er nahm Sie mit in die alten, zum Teil abgesoffenen Gruben. Dort zeigte er Ihnen Versteinerungen und Mineralien. Sie fingen an zu sammeln. Und Sie tun es noch heute, wenn auch nicht mehr in den Gruben. Ein wichtiger Programmpunkt bei der Einrichtung Ihres Hauses war darum die Einrichtung eines größeren Raumes, in dem Ihre Sammlung ständig sichtbar und auch Sammlern und interessierten Besuchern zugänglich ist.

Für den, der Lust hat, sich das anzusehen, ist es ein kleines Zauberreich, in dem sich in der Fantasie viel Glitzerndes, Zauberhaftes, Graziles, Skurriles mischt mit Erinnerungsbildern, die die zahlreichen Erzeugnisse Ihrer Werkstatt hinterlassen. Ihr Hobby und Ihr Beruf sind wie zwei Seiten Ihrer und unserer Welt: die von der Natur  und die vom Menschen geschaffenen Formen, die Staunen und Bewunderung und vielfach den Wunsch nach Besitz erregen.

Das alles wäre sicherlich heute nicht so sichtbar, wenn Sie nicht die Fähigkeit hätten, an dem festzuhalten und lange Zeit eine große Energie für das einzusetzen, was Sie für gut und richtig für sich erkannt haben. So ist es Ihnen auch im Werdegang als Gold- und Silberschmied ergangen. Dabei muss es jeden im nachhinein zutiefst verwundern, dass Sie eigentlich gar nicht Ihren Traumberuf gewählt haben. Sie wollten Seemann werden wie viele Ihrer Vorfahren und wie auch Ihr Bruder, trotz erheblicher Umwege.

Nur als bei Ihnen die Berufswahl anstand, 1919 etwa, als Sie 17Jahre alt waren, gab es keine Schiffe, auf denen Sie anheuern konnten. Wer von unserer Küste seewärts schaute, konnte nichts anderes sehen als einen leeren Horizont. Auch Hoffnung gab es nicht viel, abgesehen davon, dass man mit ihr keinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Sie wurden also Goldschmied, später auch Silberschmied. Vielleicht darf ich den Unterschied, der einem normalen Menschen kaum vertraut ist, kurz mit Ihren Worten oder wenigstens in Ihrem Sinne, Herr Möller, erklären.

Es ist ja keineswegs so, dass der Goldschmied nur Gold und der Silberschmied nur Silber verarbeitet. Der Unterschied liegt vielmehr in den Werkzeugen und in den Produkten. Der Goldschmied braucht nur einen kleinen Hammer und einen kleinen Amboss für alle Fälle, vor allem aber viele Zangen, um Filigran, um Ringe, Halsketten und andere feine Dinge zu machen, einerlei ob aus Gold oder Silber oder Platin. Der Silberschmied hingegen braucht viele verschiedene Hämmer, sehr verschiedene Ambosse, braucht also Schlagwerkzeuge, um zum Beispiel aus einem Stück Blech einen Becher zu machen oder einen Löffel zu schlagen, Trinkgefäße also und Tafelsilber und ähnliche größere "geschmiedete" Dinge.

Dazu gibt es auch noch den Graveur für Schrift und graphische Gestaltungen auf Edelmetallen zuständig.

Sie, lieber Herr Möller, hatten sich in all diesen Techniken ausbilden lassen und geschult. Wer den Ehrgeiz hatte, Gold- und Silberschmiedearbeiten selbst zu produzieren, vom Entwurf bis zum Endprodukt, brauchte nicht nur die Fertigkeiten. Er brauchte, wenn er sich durchsetzen wollte, auch die künstlerischen Fähigkeiten. Trotz reicher Begabung ist das aber noch kein Freifahrtschein auf eine selbständige Existenz, geschweige denn auf lebenserhaltenden Umsatz. Das haben Sie selber sehr deutlich zu spüren bekommen.. Im Jahre 1929, Sie waren 27 Jahre alt,  wollten Sie sich endlich selbständig machen, in Meldorf, in der Zingelstraße Nr. 8.

Warum in Meldorf, habe ich Sie gefragt? Weil dort noch wenige Jahre zuvor ein Gold- und Silberschmied, der letzte einer langen Generationskette gearbeitet hatte: Roepsdorf.

Wo einer war, würde wieder einer gebraucht, dachten Sie. Leider mussten Sie auch erfahren, dass dieser logische Schluss nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmte. Doch das wussten Sie noch nicht. So eröffneten Sie einen Laden, ganz allein, ohne Frau, ohne Hilfskraft. Damals war es kein Problem, Ware aus der Schmuckindustrie zu bekommen. Sie hungerte nach Aufträgen, nach Kunden, wie viele andere Gewerbetreibende auch. Trotz reichen Angebotes, trotz guter Lage blieben aber auch bei Ihnen die Käufer aus. Die Bauern und andere potenzielle Kunden konnten sich ihre Existenzprobleme nicht auch noch mit Schmuck dekorieren. Überall fehlte das Geld.

Nur mit Reparaturarbeiten kam dieser und jener, und auch vielleicht, um mit dem jungen Goldschmied einen Plausch zu halten. Auch mussten Sie sich ja um die kaufmännische Abwicklung, die Buchführung, die Abwicklung mit den Lieferanten kümmern, obgleich Ihnen das Kaufmännische sehr zuwider war. Das alles ging Ihnen im Grunde gegen den Strich. Für das, was Sie eigentlich wollten, Neues schaffen, entwerfen, gestalten, ausarbeiten, dafür fehlte Ihnen im Grunde die Zeit. Das Nebenwerk, von Ihrem Standpunkt aus, der Ladenbetrieb, belegte Sie zu sehr mit Beschlag.

Sie zogen die Konsequenzen. Nach zwei Jahren gaben Sie den Schmuck zurück und machten Ihren Laden dicht. Als Bilanz blieben Ihnen Ihr Werkzeug und ein kleiner Vorrat an Silber. Sie wussten aber noch nicht, welches Erbe Ihnen Ihr Laden bringen sollte. Eine Ihrer gelegentlichen Besucherinnen nämlich hatte Ihnen angeboten, als sie hörte, Sie wollten dichtmachen, bei ihr im Haus einen größeren Raum zu beziehen, am Nordermarkt Nr. 7.

Diese Frau hieß Ristow. Ihr Mann war Waffenhändler, hoch geehrt in Forst-, Jahd- und Tierschutzfragen. Auch unterhielt er eine Autovermietung und eine Fahrschule, was man sich in damaligen Zeiten noch etwas bescheidener und individueller vorstellen muss als heute.

In diesem Haus bezog Gosch Möller ein Zimmer von ungefähr 20 qm, wo er seine Werkstatt mit drei Arbeitsplätzen aufstellen konnte. Hinter einem Vorhang war noch Platz für ein Bett. Für einen Ofen reichte es aber nicht. Auch Strom und Wasser gab es nicht in diesem Raum. Letzteres, das Wasser, ließ sich eimerweise aus der Werkstatt von Herrn Ristow holen. Dass man im gleichen Raum schläft und arbeitet, lässt  sich heute noch nachvollziehen, dass man es aber ohne Strom, ohne Heizung, ohne Wasser tut, mutet uns doch mittelalterlich an. Es war 1931 tatsächlich ein Stück Mittelalter, was nicht nur Gosch Möller erfahren musste.

Die meisten Häuser hatten noch keine Zentralheizungen oder allenfalls für die ausgesprochenen Wohnräume, Ladengeschäfte waren sehr häufig noch ohne Öfen, auch Werkstätten nicht immer heizbar. Besonders schwierig war es jedoch für einen Gold- und Silberschmied, den Winter in kaltem Raum zu überstehen, da er seine Finger beweglich behalten musste. Licht gab die Karbid-Lampe, vielleicht auch ein bisschen Wärme. Im übrigen arbeitete der nun bald 30jährige Mann eingehüllt in warme Kleioder.

Sein Ziel: Schmuck produzieren für Wiederverkäufer der Westküste. Produzieren hieß, selber machen, kunsthandwerklich herstellen als Alternative zur industriellen, arbeitsteiligen und weitgehend mechanisierten Fabrikation.

Die Industrieware beherrschte damals wie heute den Markt. Sie wählten eine unzeitgemäße Produktionsform, eine vorindustrielle, die anknüpfte an eine lange Kette künstlerisch tätiger Handwerker, die sich bis in die Republikzeit zurückverfolgen lässt.

Sie stellten sich mit dieser Entscheidung zu einer kleinen Gruppe von unternehmungsfreudigen Männern und Frauen, die in der Industriegesellschaft eine Außenseiterrolle auf sich nahmen, um durch Ausübung alter Handwerke selber kreativ sein zu können.

Solches Arbeiten hatte in den Industrienationen schon im vorigen Jahrhundert begonnen. Es war eine Antwort auf die Industrialisierung. In Dithmarschen war der Vorstand des Dithmarscher Landesmuseums der erste, der 1896 in dieser Richtung tätig wurde und den alten Weber Frerk ermunterte, doch wieder Beiderwand zu weben. Für den Verkauf sorgte der Vorstand. Das war der Beginn der Meldorfer - Dithmarscher - Museumswerkstätten, der Beginn eines Kunsthandwerkes, das nicht mehr für den täglichen Bedarf, sondern für einen alternativen Markt produzierte, gegen die Industrieware.

Am Anfang unseres Jahrhunderts schickte der Museumsvorstand Frau Lindemann aus Westerwohld eigens nach Schweden, um dort alte Webtechniken kennenzulernen. Sie brachte die Museumswerkstätten zu einer ersten Blüte, heiratete später den Maler Wenzel Hablik, einen bedeutenden Expressionisten in Itzehoe.

Die kunsthandwerkliche Weberei ist öffentlich gefördert worden. Ähnlich hat der Kreis Norderdithmarschen den letzten handwerklich tätigen Töpfer Reimers in Tellingstedt unterstützt, um seinen Betrieb zu unterhalten und auf den veränderten Markt umzustellen. Er hatte ja nopch Ware für den täglichen Gebrauch herzustellen gelernt, die wegen der billigeren und haltbareren Industrieware keiner mehr haben wollte. Die neue Parole hieß, verzierte, nach traditionellen Mustern geschmückte Ware zur Verschönerung, zur individuellen Ausgestaltung der Wohnungen herzustellen.

Während die Handwebereien es immer schwer hatten, sich gegen die Industrieware zu behaupten, fanden die Töpfer eine bessere Resonanz. Längst hatte sich Tellingstedt wieder vom Gängelband des Kreises gelöst, seit Jahrzehnten gibt es mehrere Kunst-Töpfereien auch in Dithmarschen, unter ihnen eine so außergewöhnlich kreative wie die des Ehepaar Thoms hier in Brunsbüttel.

Sie, lieber Herr Möller, entschieden sich für die eigenen Gestaltungen, vom Entwurf bis zur handwerklichen Fertigstellung. Jedes Stück ein Individuum mit eigenem Werdegang auch dann, wenn nach gleichen Mustern mehrere Exemplare entstehen.

Und Sie haben sich damals entschieden, die Formwelten des Schmuckes der Westküste, des Filigrans besonders, aufzunehmen, weiterzuentwickeln und durch Neugestaltungen zu bereichern beziehungsweise dem modernen Geschmack anzupassen - was Sie mit schier unerschöpflicher Fantasie getan haben. Leider, so mussten Sie erfahren, wartete niemand auf Ihre Arbeiten. Wo noch kürzlich ein Berufskollege tätig gewesen war, musste offenbar kein neuer kommen. Auch interessierte die öffentliche Hand sich nicht für Ihren Berufszweig.

Der erste wirkliche Interessent, den Sie, lieber Herr Möller, fanden, war die Tochter des Hauses, Martha Ristow. Sie brachte Ihnen Kaffee und blieb zum Zugucken und sie begann schnell, selber zu probieren. Dabei entwickelte sie deutliches Talent. Es dauerte offensichtlich gar nicht so sehr lange, da drehte sich für Martha die Welt um, wenn ich Sie richtig verstanden habe, lieber Herr Möller. Zunächst also war sie immer bei Ihnen zu Besuch gewesen. Nach nicht allzu langer Zeit galt Ihr Besuch dann den Eltern: Martha und Sie hatten beschlossen, Ihr Leben, Ihre Zukunft, gemeinsam anzupacken.

Sehr verheißungsvoll fing es nicht an. Huldvoll wurde Ihnen gestattet, im Schaufenster zwischen Pistolen und Flinten, Fahrrädern und Firmenwerbung ein Tablettchen mit Ihren Arbeiten zu zeigen. Der Erfolg war fast gleich Null. Ein Leben lang haben Sie sich mit Ihrer Frau gefreut, dass eines Tages ein Reisender gekommen war und Ihnen zwei selbstgeschlagene Löffel auf einmal abkaufte; dabei haben Sie die Stücke eine Mark unter dem Preis anderswo angebotener Industrieware verkauft.

Es waren aber nicht einzelne Kunden, deren Kauflust sich häufte und die Ihnen voran halfen, es war ein einmaliger Glücksfall, der die Wende brachte: der Besuch von Mitgliedern des Hamburger Kunstgewerbevereins. Dieser Besuch war ungeplant, rein zufällig. Er galt im Grunde nicht Ihnen, jedenfalls nicht von den äußeren Umständen her. Diese Besucher aber waren beeindruckt von Ihren Arbeiten. Sie luden Sie ein, Mitglied des Hamburger Vereins zu werden. Verbunden war damit die Einladung, den Ausstellungsplatz des Vereins auf der Leipziger Messe zu beschicken.

Jetzt schlug die Stunde Ihrer Frau. Sie hatte eine Freundin, die Frau eines Rechtsanwalts, die über ein Auto verfügte. Das ermöglichte den beiden Damen, nach Leipzig zur Messe zu fahren, zum ersten Mal im Frühjahr 1932, im Frühjahr nach Ihrem Einzug in das Ristowsche Haus. Es war auch das Frühjahr Ihrer offiziellen Hochzeit. Dort, in Leipzig, gab es allerdings noch ein weiteres Hindernis.

Der Messestand des Hamburger Kunstgewerbevereins befand sich im, ich zitiere Sie, "exquisiten Grassi-Museum. Für uns, die wir zum ersten Mal als Aussteller auftraten, führte der Weg zu unserem Ausstellungsplatz über eine Jury, die zu prüfen hatte, ob unser Angebot sowohl nach der handwerklichen Güte als auch nach der Originalität der Arbeiten des hochgestellten Anforderungen des 'Grassi' entsprach. Das ging gut, wir wurden zugelassen."

Sie schreiben dazu in Ihren Erinnerungen noch weiter: "Wenn wir aber gehofft hatten, dass die Einkaufsbeauftragten der großen Kunstgewerbehäuser uns nun mit ihren Aufträgen erfreuen würden, so sahen wir uns darin getäuscht. Diese Kunden zeigten zwar großes Interesse (einige kamen mehrere Male an unseren Stand), aber ein paar kleine Aufträge gab es nur von Privatpersonen, die eben jeweils nur ein Stück für sich selbst bestellten."

Die Damen fanden aber Trost bei alten Messe-Hasen. Es sei nicht üblich, dass die Auftraggeber gleich Schlange stünden. Man würde vorsichtiger taktieren und abwarten, was bei den nächsten Ausstellungen komme. Auch bereiteten sie Sie darauf vor, dass Sie sich nicht wundern dürften, wenn bei der nächsten Messe Arbeiten auftauchten, die Ihnen sehr bekannt vorkämen, d.h. bei denen man Anleihe bei Ihren Ideen machen würde. Die jungen Leute wurden ermuntert wieder zu kommen, denn, so wurde gesagt, Ihre Arbeiten seien gut.

Zugleich war das, was Sie gehört hatten, aber auch eine Herausforderung an die schöpferische Fantasie der Werkstatt. Die war vorhanden.

Bereits bei der dritten Ausstellung, im Frühjahr '33 also, erschienen Berichte über Möllers Arbeiten, und zwar in den damaligen Illustriertenblättern, in der "Leipziger Illustrierte", in der "Berliner Illustrierte", in der "Woche", in damals sehr viel größerem Maße als heute in Lesemappen zusammengefasst und durch Betreiber von Lesezirkeln in viele Häuser gebracht. Auch in Meldorf.

Und da ging vielen ein Licht auf. Das hatte man ja noch gar nicht mitbekommen, dass hinter dem kleinen Tablett zwischen Waffen und Fahrrädern eine solche Werkstatt mit einem solchen Mann lag. Und einer solchen Frau.

Sie selber, lieber Herr Möller, haben immer wieder gesagt, dass ohne Ihre Frau alles nicht möglich gewesen wäre. Wenn Ihre Frau noch leben würde, zweifle ich nicht, würde der Kulturpreis zwischen  Ihnen und Ihrer Frau geteilt werden. Sie brachte ja nicht nur Talent und ein mit den Jahren immer stärker angesammeltes Wissen über ihren Beruf mit, sie besaß auch das, was Ihnen fehlte, oder zumindest zuwider war: den Geschäftssinn - Einblick und Fähigkeiten in die kaufmännische Handhabung nicht nur eines Ladens, sondern auch der Beschickung von Messen und Ausstellungen. Das heißt, sie verstand sich auf die Umsetzung Ihrer künstlerischen Produktion auf der Werkstatt auf den Markt. Das geschah sogleich reichsweit, später bundesweit.

So brachten Sie den Namen der Domgoldschmiede, den Sie damals für Ihre Werkstatt einführten, sowie den Namen von Meldorf und Dithmarschen unter die Leute in vielen deutschen Landschaften. Und von dort kam er, bezeichnenderweise, nach hier zurück. Der Prophet, der erst die Weihe in der Fremde braucht, um im eigenen Land zu gelten.

Dabei machten Sie keine Industrieproduktion. Sie und Ihre Frau blieben sich Ihrem Schwur der ersten Stunde treu, nur Einzelstücke anzufertigen, auch wenn es einmal mehrere von demselben Stück waren oder gar ganze Reihen. Jedes Stück wurde einzeln und für sich angefertigt, als sei es alleine da. Dem Grundsatz blieben Sie selbst dann treu, als einmal große Serien gefragt waren. In der Mitte der 30er Jahre gab es eine große Welle der Trachten und Trachtentänze, ähnlich wie heute. Gefragt waren Trachtenknöpfe und anderes silbernes oder goldenes Zubehör.

Gefragt waren neuzeitliche Entwürfe in alter Technik und Form. Da kam Ihnen, lieber Herr Möller, wieder etwas zugute, was Sie von Kindheit an gepflegt hatten und als das Erbe Ihres Vaters verstanden: Die Beschäftigung "mit Altertümern", mit alten Graphiken, mit Schriftzeichen und Runen. So konnten Sie Mustertafeln mit Trachtenzubehör anbieten, die eine Zeit lang Ihre Bestellbücher füllten.

Bis 1939 lief es sehr gut. Sie haben keine Leipziger Messe ausgelassen. Nur wurde es Ihnen zunehmend eng und unbehaglich in dem Ristowschen Haus, wo Sie sich zwar ausdehnen, aber nicht wirklich entfalten konnten. Das war umso notwendiger, da inzwischen auch Ihre Familie gewachsen war. Der Geburt Ihres ersten Sohnes im Herbst 1932 folgten noch eine Tochter und ein weiterer Sohn, Peter, der jetzige Inhaber.

Es lag auch im geschäftlichen Interesse, ein besseres und ansehnlicheres Unterkommen zu finden. Mag man auch glauben, es käme den Menschen auf die Erzeugnisse an und nicht so sehr auf die Umgebung - es ist ein falscher Glaube. Sie erzählen, wie einmal eine Frauengruppe den Besuch in Ihrer Werkstatt mit in ihr Programm genommen hatte, aber umgekehrt war, als sie Ihr Domicil und Ihre bescheidene Ausstellung sah. Mit einer solchen Winkelwerkstatt wollte man sich doch nicht befassen. Das hielt man unter seiner Würde.

Es galang Ihnen aber nicht, in Meldorf ein geeignetes Haus zu finden, das Ihren Vorstellungen entsprochen hätte. Die Stadt hat Ihnen keine Brücken - schon gar keine goldenen - gebaut. Im Gegenteil. Damals, wie auch nach dem Krieg haben Sie bittere Enttäuschungen erleben müssen. Entsprechend begannen Sie, sich nach neuen Wirkungsstätten umzusehen. Es sollte an der Nord- oder Ostsee sein. Sie kamen schließlich auf Stralsund. Dort mieteten Sie einen Laden. Dorthin wollten Sie auf die Dauer umziehen. Das war im August '39. Sie haben dann für drei Monate Miete bezahlt, den Umzug wegen des Krieges aber aufgegeben. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie Ihr Vorhaben ein halbes Jahr früher begonnen hätten?

Nach dem Krieg, nach dem Tod Ihres Schwiegervaters konnten Sie sich mit dem Ristowschen Haus ein wenig besser einrichten. Der eigentliche Umschwung kam aber erst, als die Kreisverwaltung das Ristowsche Haus gern zur Erweiterung erwerben wollte. Der neue Flügel am Markt nimmt den Platz des alten Ristowschen Hauses ein, wenn auch nicht mehr als Kreisverwaltung, sondern als Amtsgericht. Sie bekamen dafür das Niebuhrsche Haus, in dem bis dahin der Kreistierarzt und die Kreisbauernschaft residiert hatten. Sie brauchten sozusagen nur über die Straße umzuziehen. Und doch war das ein Vorhaben, das Sie viele Jahre beschäftigte. Davon habe ich schon gesprochen.

Damit sind wir den Ereignissen ein wenig vorausgeeilt. Der Krieg verhinderte ja nicht nur Ihren Umzug, sein Ausgang nötigte Sie auch wie viele andere, noch einmal neu zu beginnen, nun allerdings nicht mehr ganz vom Punkt Null aus. Sie hatten das Glück gehabt, obgleich freiwillig zur Marine gemeldet, zur Marine, Ihrem alten Wunschtraum, das Glück gehabt also, auf dem Trockenen zu bleiben und auch ihre Schäflein, d.h. Ihre Familie und Ihren Betrieb, auf dem Trockenen zu behalten. Sie waren nicht sehr weit entfernt stationiert und konnten sich sogar nebenher den ganzen Krieg über um Ihr Zuhause kümmern. Dennoch war nach dem Krieg die Basis Ihrer Existenz, das Deutsche Reich, kaputt.

Dithmarschen war Internierungsgebiet. Dithmarschen lag voller Soldaten. Viele wussten nicht wohin, nachdem sie entlassen waren, viele brauchten längere Zeit, um neue Ziele oder unter der durcheiunandergewirbelten Bevölkerung Angehörige wiederzufinden. In dem großen Werteverfall blieben Edelmetalle begehrte Anlagegüter. Sie wechselten vielfach ihre Besitzer, oft genug im Tausch gegen Lebensmittel, um die Kargheit der täglichen Ernährung aufzubessern.

In unserer Agrarlandschaft der Westküste gab es auf der anderen Seite genug Urproduzenten, die nicht um das tägliche Brot zu sorgen brauchten und sich Gedanken darüber machen konnten, wie sie altes oder neugewonnenes Edelmetall in das Leben schmückende Dinge verwandeln lassen konnten. Das Leben ging ja weiter, wenn auch, wie heute wieder, bei den verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Vorzeichen.

Wieder erkannten Sie, lieber Herr Möller, eine Chance. Die Schmuckindustrie lag am Boden, eine Nachfrage erwachte, und sei es, um sich wieder Werte zu schaffen. Und Arbeitskräfte gab es genug. Sie stellten Ihren Betrieb um auf angelernte Arbeiter und auf Serienherstellung, ohne jedoch Ihre handwerkliche Produktion ganz einschlafen zu lassen.

Entlassene Soldaten wurden angelernt, Drähte für Filigranschmuck zu machen. Andere stellten Wülste her oder montierten. Sie selber schmolzen die unterschiedlichen Silberbestände zusammen, da sie die Kunst beherrschten, die Schmelzvorgänge so zu steuern, dass der erwünschte Feingehalt dabei herauskam. Das ist sonst Sache eigener Scheideanstalten. Ihre Herstellung umfasste also die ganze Kette.

Am Ende stand der Vertrieb mit Vertretern, die ihre Ware den Wiederverkäufern anboten. Zeitweilig waren in dem kleinen Ristowschen Haus 33 Leute beschäftigt. Es waren begehrte Arbeitsplätze. Einen gewesenen General gab es da - ebenso wie einfache "Muskoten". Alle waren eingespannt in das von Ihnen durchorganisierte Netz. Trotz der vielen Leute, trotz eines großen Umsatzes brachte es nicht viel Ertrag. Aber es brachte Leben, es brachte Arbeit, und vielen erschien das kleine Haus am Nordermarkt als Oase.

Auch "Besatzer" zeigten Interesse. Es lagen hier Engländer im Quartier, die bei dem Regiment der "Wüstenratten" gegen Rommel gekämpft hatten. Sie entwarfen für sie Siegelringe mit dem Symbol der Wüstenratte und ließen sich dafür mit holländischen Münzen oder Halbpfundstücken bezahlen, was sehr vorteilhaft war.

Auch kam der Kommandant, der gegenüber dem Kirchturm rechts vom Hotel Stadt Hamburg wohnte, einmal mit einer kleinen Handvoll loser Brillanten. Auch da war dann der Goldschmied gefordert. Bei der Frage nach der Bezahlung wollte der Kommandant wissen, ob er etwas für Sie tun könne. Sie brauchten dringend einen Ladenschrank. Das ließe sich machen, meinte der Offizier. So ging es eben damals mit der Wirtschaft.

Schließlich noch eine dritte Geschichte, die Sie selber so schildern:

"Es klopft an die Werkstatttür. Auf unser Herein betritt ein Englischer Offizier den Raum. Er legt seine aus Messing bestehenden Uniformteile auf den Tisch und bat darum, wegen eines Generalappells, die Sachen auf Hochglanz zu bringen; das machte er zu Hause, in England, wo sein Onkel Goldschmied sei, auch so. Zwei Mann gingen an die Poliermaschine und nach wenigen Minuten war der Wunsch des Gastes erfüllt.

"How much?" - "No Sir, it's free of charge!" Großes Erstaunen des Engländers, der dann in seine Tasche griff, um ein sehr breites Silberetui zu ziehen, welchem er die darin befindlichen 13 Zigaretten entnahm, legte diese auf den Tisch, die Hand an die Mütze, womit er sich verabschiedete. - Etwa eine Stunde später klopfte es wieder an die Tür, die sich auf Herein öffnete und eine große Zahl von Tommies hineinließ. Einige mussten auf dem Flur bleiben. Jeder der Soldaten hatte in der einen Hand sein Käppi, angefüllt mit Knöpfen und Schnallen, in der anderen 13 Zigaretten. Die Riesenmenge wurde mit allen Mitarbeitern ehrlich geteilt."

Nach der Währungsreform 1948 normalisierten sich auch bei Ihnen die Verhältnisse. Das Kunst-Handwerk bekam wieder sein volles Recht. Die Serienproduktion wurde eingestellt. Verkaufsmessen, Ausstellungen liefen an. Als Ersatz für Leipzig etablierte sich in Hannover eine Mustermesse für Wiederverkäufer, aus der sich gelegentlich die Möglichkeit für weitere, europaweit orientierte Ausstellungen ergab, z.B. "Europäisches Silber". In Hamburg konnten Sie wieder in Ihre eigenen Fußstapfen treten, bei der Messe im Museum für Kunst und Gewerbe. Auch in Schgleswig-Holstein regten sich die Kunsthandwerker wieder. An vieles konnten Sie anknüpfen. Anderes ergab sich neu aufgrund  der gewandelten Gesamtsituation. Vor allem aber wuchs der Anteil an Privatkundschaft, die immer wieder und vielfach von weither nach Meldorf anreiste und noch anreist.

Mit Ihrem Umzug in das neue, in das Niebuhrhaus schufen Sie und Ihre Familie sich einen Rahmen, in dem die Reichweite und  Vielseitigkeit Ihrer Wirksamkeit zum Ausdruck kommt. Ein Rahmen, der nicht von professionellen Ladeneinrichtungen mit ihren modischen Gags hergestellt, sondern von Ihnen selber und Ihrem Sohn entworfen und als Ausdruck Ihres künstlerischen Schaffens angesehen werden darf. Sie haben auch nicht die Fassade Ihres Hauses aufgerissen, um ihr unten ein anderes Gesicht zu geben als oben.

Behutsam bauten Sie damals Ihre Schaukästen in die vorhandenen, nur etwas verlängerten Fenster hinein. Sie schonten das Haus. Sie gaben ihm ein neues, wahrhaft erfülltes Dasein. Sie sorgten dafür, dass jeder, der es wissen wollte, erfuhr, dass Sie in dem Haus des Carsten Niebuhr lebten und arbeiteten. Ihre Verehrung für ihn, die ich teile, bringen Sie nicht nur in Worten zum Ausdruck.

Sie sammelten alles, was Sie über Carsten Niebuhr erfahren und bekommen konnten. Sie bauten das Instrument nach, einen Vollkreis für die Landmessung, den Niebuhr einst eigenhändig geschaffen hatte. Sie taten es so genau, dass er auch als Kopie auf wissenschaftlichen Ausstellungen bestehen konnte. Auch diente er einem dänischen Film über Carsten Niebuhr, bei dessen Zustandekommen Sie hilfreich zur Seite standen, mit zur Darstellung.

Sie ließen als auffälligstes Stück der Niebuhrtradition das Expeditionsschiff, mit dem die Wissenschaftliche Gesellschaft 1761 von Kopenhagen ins Mittelmeer fuhr, von einem professionellen Modellbauer nachbauen und arbeiteten eigenhändig die künstlerisch ausgestalteten Bug- und Heckpartien in Silber aus. Das Modell war von Ihnen gedacht als Kernstück des Niebuhr-Archivs, das Sie in Ihrem Haus zusammentrugen. Das Schiffsmodell steht im Augenblich als Schmuckstück im Eingangsbereich der Neuen Holländerei am Landwirtschaftsmuseum in Meldorf.

Meine Damen und Herren, diese Bemerkungen könnten jetzt das Schlusswort ergeben. Einer Zusammenfassung bedarf es hoffentlich nicht und die Begründung für den Kulturpreis ist schon gegeben. Doch möchte ich den Blick noch einmal von dem Mann auf den Betrieb richten. Gosch Möller sen. übergab seine Firma 1976 seinem Sohn Peter.

Das ging keineswegs selbstverständlich vonstatten. Denn auch Sie, lieber Peter Möller, wollten, wie Ihr Vater, eigentlich Seemann werden. Und Sie waren es auch. Vier Jahre fuhren Sie zur See, bis sich herausstellte, dass sich Ihrem Berufswunsch, Lotse zu werden, die mangelnde Sehkraft Ihrer Augen entgegenstellen würde. Doch Goldschmied wollten Sie nicht werden. Wenn dann Silberschmied.

Und Sie wurden es, in einer erstklassigen Werkstatt. Ihr Gesellenstück ist so hoch bewertet, wie mir Ihr Vater stolz erklärte, dass es auch als Meisterstück hätte gelten können. Sie wurden dann auch doch noch Goldschmied. Und Ihr künstlerisches Talent steht außer Frage.

Seit 1976 sind Sie Herr in der Domgoldschmiede, ohne dass für Außenstehende irgendwo ein Bruch sichtbar geworden wäre. Es ist schön zu hören, dass Sie jeden Abend ein Schlückchen Wein mit Ihrem Vater trinken, um sich dabei auch noch zu besprechen. Sie, lieber Herr Gosch Möller sind also immer noch ein bisschen dabei. Möge Gottes Segen Sie begleiten!


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