Kulturpreis 2008

Wöhrdener Kageln

Kageln

Der Kreis Dithmarschen würdigte mit dieser Auszeichnung die vorbildliche Heimatarbeit der Dithmarscher Trachtengruppe.

Die Urkunde

"Als Botschafterin ihrer Heimat ist es der Trachtengruppe Wöhrdener Kageln in vorbildlicher Weise gelungen, ein volkstümliches Stück Dithmarscher Kultur vor dem Vergessen zu bewahren und einem Publikum innerhalb und außerhalb Dithmarschens zu vermitteln.

In ihrer Begeisterung für die Tradition des Dithmarscher Tanzes haben sie - in historisch nachempfundenen Gewandungen - die Erinnerung an Brauchtum und Sitte des bäuerlichen Freistaates seit 25 Jahren gepflegt und nachfolgenden Generationen gelehrt.

Stets sind Pflege des heimatlichen Kulturgutes und Erhaltung des Brauchtums mit der Entwicklung des gemeinschaftlichen Miteinanders verbunden. An dem im alten Dithmarschen beliebten Springeltanz beteiligten sich - so die Chronisten - bis zu 200 Personen, ohne aus dem Takt zu kommen.

Dithmarscher Tanz war eine wichtige Kommunikationsform. Der Trachtengruppe Wöhrdener Kageln ist es zu verdanken, dass diese symbolreiche Sprache und mithin die Erinnerung an das alte Dithmarschen in einer schnellebigen Zeit lebendig bleibt.

Für diesen nachhaltigen Beitrag ehrenamtlicher Heimatarbeit wird die Trachtengruppe ausgezeichnet."

Die Laudatio

Von Bürgermeister Peter Schoof, Wöhrden

Sehr geehrter Herr Kreispräsident, liebe Kageln, sehr geehrte Gäste und Ehrengäste,

im Jahr 1984 hat sich die Dithmarscher Politik entschieden, - in der Regel alle zwei Jahre - einen Kulturpreis zu vergeben.

Jedes Mal standen mehrere Vorschläge in Konkurrenz, so auch in diesem Jahr. Aus den zahlreichen Vorschlägen wurde mit der notwendigen Mehrheit von mindestens drei Viertel der stimmberechtigten Mitglieder eine Gruppe ausgewählt, nämlich die Wöhrdener Kageln.

Es wäre eine Unterlassungssünde, an dieser Stelle nicht alle Vorgeschlagenen für den diesjährigen Kulturpreis zu würdigen.

Ich behaupte, jeder und jede Vorgeschlagene hätte auf seine oder ihre Art und Weise den Kulturpreis verdient, darüber hinaus viele, viele weitere Kulturschaffende in unserem Kreisgebiet.

Diese Feststellung zeigt auf, dass in Dithmarschen eine vielfältige, zahlreiche und hochwertige Kulturlandschaft vorzufinden ist, deren Erhalt und Ausbau auch eine politische Verpflichtung ist.

Ich will nicht darüber fabulieren, was unter dem Begriff "Kultur" verstanden werden kann. Das haben andere hochrangige Persönlichkeiten wie zum Beispiel Immanuel Kant, Albert Schweitzer, Gottfried Herder, Siegmund Freud und andere ausreichend erarbeitet. Nur so viel: mir ist kein gesellschaftliches oder stattliches Gebilde bekannt, das nicht eine kulturelle Basis hat. Grundelemente einer Kultur sind sicherlich die Sprache, die Musik, die bildende Kunst, die Tradition und anderes mehr, aber auch - nach unserem Dithmarscher Verständnis - die Heimatpflege.

Gerade Ihr, liebe Kageln, habt Euch - wie alle anderen Trachtengruppen auch - der Heimatpflege verschrieben.

Natürlich bin ich als Bürgermeister von Wöhrden, genau so wie alle unsere Einwohnerinnen und Einwohner sehr stolz darauf, dass gerade Ihr den diesjährigen Kulturpreis erhaltet.

Auf Initiative unseres Mitbürgers Olaf Golombek seid Ihr in die Vorschlagsliste aufgenommen und zu Recht nominiert worden, wie die folgenden Ausführungen aufzeigen werden:

  1. Bereits 1981 entstand der Gedanke, eine Tanzgruppe zu gründen, die in Dithmarscher Tracht alte Tänze vorführen sollte.
  2. Ihr habt die Trachten selbst genäht und den dazu gehörigen Schmuck, der aus Silber ist, auf Flohmärkten, in Antikgeschäften und aus Familien gekauft, beziehungsweise geerbt.
  3. 1983 war es endlich so weit: Ihr hattet Euren 1. öffentlichen Auftritt, und zwar am 2. Oktober auf dem Landeserntedankfest in Heide auf dem Marktplatz. Der Tanz hat den Titel "Der Schwingende".
  4. In den Anfangsjahren hat der damalige Grundschullehrer Gerd Müller Eure Tänze begleitet, und zwar auf seinem Schifferklavier, heute begleitet Euch Tonbandmusik.
  5. Viele Auftritte in Wöhrden, Heide, Wesselburen, Büsum, Meldorf, Tellingstedt und in vielen anderen Orten Dithmarschens habt Ihr gehabt. Aber nicht nur in unserem Kreis, auch außerhalb seid Ihr aufgetreten wie zum Beispiel in Rendsburg, Kiel, St. Peter, Flensburg, Sulzbach, auf den Inseln Hallig Hooge, Föhr und Amrum und andere mehr - unvergessen bleiben für Euch sicherlich die Aufenthalte in Polen 2001, 2003 auf Teneriffa und im September 2007 in Barcelona.

Die Anlässe waren vielfältig: Umzüge, Schleswig-Holstein-Tag, Silberhochzeiten, Erntedankfeste, Heimatabende, in Altenheimen, bei Kohltagen und und und.

Ich habe mal nachgezählt: Ihr hattet insgesamt 420 Auftritte seit 1983, das sind cirka 17 Auftritte im Durchschnitt pro Jahr.

Jeder Auftritt, den ich miterleben durfte, dokumentierte einerseits Euren Stolz auf die Tracht und Eure Fähigkeit, längst vergessene Tänze zu präsentieren, andererseits Eure Verbundenheit zu unserer Heimat und zu ihrer Geschichte.

Ihr als Tanzgruppe vertretet nicht nur die Gemeinde Wöhrden, sondern auch den Kreis Dithmarschen nach außen in würdiger Form, mit Eurer Liebe zu der Tracht genauso durch Eure Darstellung zur Heimatverbundenheit.

Nun gestatten Sie mir noch eine kurze Bemerkung zu der Presseberichterstattung: Im Kommentar vom 4. September 2008 steht - ich zitiere - : "Wer sie (die Kageln) erlebt, ist angetan von Kostümen und Tänzen, von ihrer Liebe zum Detail." So weit, so gut!! Weiter: "Sie passen allerdings schwerlich in die Linie der bisherigen, weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Preisträger, sei es die Schriftstellerin Sarah Kirsch oder zuletzt der Bildhauer Paul Gnekow."

Herr Zabel als Verfasser des Kommentars: mit einem derartigen Vergleich tun Sie niemandem einen Gefallen. Weder den Kulturpreisträgern vorher, dem heutigen, noch den nachfolgenden. Nein, Vergleiche der Kulturpreisträger untereinander werden der Verantwortung der Politik, allen Kulturpreisträgern und dem Kulturpreis als solchem nicht gerecht.

Ich stelle fest: die Kageln waren - wie ich aufgezeigt habe - in vielen Orten außerhalb unseres Kreises. Wären sie nicht so bekannt und gern gesehen, hätte man sie nicht engagiert.

Bei allem Respekt, Herr Zabel: Ihre Feststellung in diesem Kommentar war nicht überzeugend!!!!

Für den diesjährigen Kulturpreis an die Wöhrdener Kageln herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die Zukunft, verbunden mit dem Wunsch, auch künftig unsere Heimatverbundenheit und -pflege nach innen und nach außen würdig zu vertreten.


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