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25. Dithmarscher Kohltage: Die Sauerkrautfabrik im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum

MELDORF (pid). „Eben geht mit einem Teller Witwe Bolte in den Keller, dass sie von dem Sauerkohle eine Portion sich hole“, so reimte Wilhelm Busch 1865 in seiner Geschichte von Max und Moritz. Dass Sauerkohl auch andernorts seinerzeit hoch im Kurs stand, zeigt ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte der Kohlregion Dithmarschen. Eine typische alte Sauerkohlfabrik befindet sich in Meldorf im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum, das - wie die Dithmarscher Kohltage - 2011 sein 25jähriges Jubiläum feiert.

Zu den Verarbeitungsbetrieben im Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftsmuseum gehören die Herzstücke der ehemaligen Marner Sauerkohlfabrik Gravenhorst. Sie ist 1984 mit der Übernahme der Objekte für das Museum endgültig stillgelegt worden. 1984 bis 1986 wurden die Schauobjekte im Haus am Jungfernstieg eingebaut. Die eigentliche Eröffnung fand am 24. Mai 1986 statt, vor 25 Jahren also.

Die alten Packtische sind aufgestellt, die Möbel des Sozialraumes, eine Vierergruppe großer Fässer. Des Informationswertes wegen hätte ein Fass genügt, vermerkte der damalige Museumsdirektor Nis R. Nissen und verwies auf den besonderen Ein-druck, den Besucherinnen und Besucher hätten, wenn sie zwischen die drei Meter hohen und weiten Fässer treten. Die Häufung macht es. In der Originalfabrik standen dreißig davon.

Die Fabrik war 1918 in der Halle des Großhäckslers Gravenhorst in Marne errichtet worden. Seit den 1890er Jahren hatte Dith-marschen sich dank der Geschäftsidee des Wesselburener Gärtners Eduard Lass, Kohl in großem Stil zu kultivieren, schnell zum größten Kohlanbaugebiet des Deutschen Reiches entwickelt. Im Ersten Weltkrieg kam jeder vierte Kohlkopf in Deutschland  aus Dithmarschen, etwa 10.000 ha Kohlland gab es hier.

Die Verarbeitungsbetriebe waren nicht nachgekommen. So wurde Dithmarscher Kohl unter anderem nach Chemnitz in Sachsen gefahren, um dort in Sauerkohl verwandelt zu werden. Aus kriegswirtschaftlichen Gründen sollte am Produktionsort eine Sauerkohlfabrik eingerichtet werden. Geplant wurde damals schon Gärfässer aus Stahlbeton zu bauen. Es wurde aber kein Stahl dafür freigegeben. Darum sind Holzfässer aus Chemnitz geholt worden - ähnlich wie die im Museum ausgestellten. Sie haben 3,30 m Durchmesser und 4 cm dicke Wände.

Zur Sauerkohlfabrik gehört ein Fließband von vermutlich 1938. Es steht - wie einst in der Fabrik - auf der Empore über den Fässern. Das Fließband in der Sauerkohlfabrik hinkte gar nicht so weit hinter der Automobilindustrie hinterher. An diesem Fließband freilich, das am Rande von Kuhweiden im ungeheizten Raum der Sauerkohlfabrik aufgeschlagen war, arbeiteten 50 Jahre  lang Frauen auf dem Lande. Ein zur damaligen Zeit typischer Arbeitsplatz von Frauen.

Info: Dithmarschen Tourismus, Markt 10, 25746 Heide, Telefon: 0481/2122-555, Fax: 0481/2122-550, E-Mail: info@dithmarschen-tourismus.de, Internet: www.kohltage-dithmarschen.de


 

31.08.2011
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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