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Bundeswehr soll in Dithmarschen bleiben

HEIDE (pid).  Konkrete Vorschläge für die weitere militärische Nutzung der Wulf-Isebrand-Kaserne in Heide machen der Kreis Dithmarschen, die Stadt Heide und die Umlandgemeinden. In einem Strategiepapier, das Kreis und Kommunen mit Blick auf die angekündigten erheblichen Sparmaßnahmen bei der Bundeswehr und die Vorzüge des vorhandenen Standortes vorgelegt haben, führen sie ihre Argumente zum Erhalt der Bundeswehr in Dithmarschen zusammen:

 

 

 

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Im Pressegespräch (von links): Landrat Dr. Jörn Klimant, Bürgermeister Ulf Stecher

 

 

 

 

Strategiepapier

des Kreises Dithmarschen und der Stadt Heide

zum Erhalt des bedeutenden Bundeswehrstandortes Heide

 

 

 

I. Bundeswehr fest verwurzelt in Dithmarschen

 

Seit 1967 hat sich Heide als Bundeswehrstandort etabliert. Die Bundeswehr genießt im Landkreis Dithmarschen allerhöchstes Ansehen und ist in der gesamten Region fest verwurzelt. Die Bundeswehr ist so z. B. mit ihren regelmäßig stattfindenden Gelöbnissen ein gern gesehener Gast in der Stadt Heide und den vielen Umlandgemeinden. Während Gelöbnisse anderenorts oft von Protesten begleitet wurden, hat die Dithmarscher Bevölkerung stets starken Anteil genommen und diese Großereignisse mit viel Beifall begleitet. Die Verbundenheit zur III. Lehrgruppe der Unteroffizierschule der Luftwaffe (III./USLw) drückt sich zudem durch die entstandenen Patenschaften der Stadt Heide und der Umlandgemeinden Hemmingstedt mit Lieht, Lohe-Rickelshof, Ostrohe, Weddingstedt mit Wesseln sowie Wöhrden mit den jeweiligen Inspektionen aus. Diese wurden 2004 feierlich begründet. Die Freundschaft und die Verbundenheit zu diesen Einheiten der Heider Bundeswehr werden immer wieder mit viel Leben erfüllt.

Die Bundeswehr stellt desweiteren in der strukturschwachen Region Dithmarschen als einer der größten Arbeitgeber nicht nur einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Darüber hinaus bereichern die Soldatinnen und Soldaten auch seit über 40 Jahren das kulturelle, sportliche und soziale Leben der gesamten Region. Die Bundeswehrangehörigen und ihre Familien engagieren sich hier nachhaltig auf vielfältige Art und Weise. Ohne die Bundeswehr wäre das gesamte Leben in Dithmarschen viel ärmer.

 

 

II. Der jetzige Auftrag am Standort Heide

 

Am Standort Heide befinden sich als militärische Dienststellen die III./USLw sowie die zum Sanitätszentrum Husum gehörende Sanitätsstaffel Heide.

 

Insgesamt sind derzeit ca. 265 Soldatinnen und Soldaten dauerhaft am Standort beschäftigt.

 

Die Wehrverwaltung ist durch den Standortservice Heide und das Gebäudemanagement vertreten, welche zum Bundeswehrdienstleistungszentrum Itzehoe gehören. Darüber hinaus wurde aus der ehemaligen Bekleidungskammer im Rahmen des "Outsourcing" die zivile Firma LHBw.

 

Insgesamt sind derzeit ca. 85 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort beschäftigt.

 

Darüber hinaus erfolgt durch den in der Kaserne untergebrachten Feldwebel für Reservistenangelegenheiten eine überaus aktive und rege Betreuung der Kreisgruppen Steinburg und Dithmarschen.

 

 

III. Die qualifizierte Ausbildung am Standort Heide

 

Die III./USLw führt den Unteroffiziergrundlehrgang (2 Monate) für alle Unteroffizier- und Feldwebelanwärter sowie für alle Unteroffiziere das Vorgesetztentraining und für alle Feldwebel der Luftwaffe das Führungstraining (Dauer jeweils 1 Monat) in fünf Einheiten durch. Damit stellt der Standort Heide i.d.R. den Beginn und den Abschluss der Laufbahnausbildung aller Uniformträger der Luftwaffe in den Laufbahnen der Fachunteroffiziere und der Feldwebel dar. In jedem Lehrgang können pro Einheit jeweils 125 Soldatinnen und Soldaten ausgebildet werden.

 

Darüber hinaus wird am Standort Heide in zwei Einheiten durch zivile Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer des Bundessprachenamtes Soldaten und Zivilbeschäftigten die englische Sprache gelehrt. In der Sprachausbildung besteht derzeit Kapazität für ca. 400 Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangs-teilnehmer. Im Gegensatz zur allgemeinmilitärischen Laufbahnausbildung der Unteroffiziere werden in die Sprachausbildung im Rahmen freier Kapazitäten auch Bundeswehrangehörige ausgebildet, die nicht der Luftwaffe angehören.

 

Zudem werden durch die Kaserne bis zu 30 Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer betreut, die am Westküstenklinikum eine zivilberufliche Ausbildung (ZAW) zum medizinisch-technischen Laborassistenten (MTLA) bzw. zum medizinisch-technischen Radiologieassistenten MTRA) absolvieren.

 

Der Kommandeur III./USLw ist zugleich Standortältester Dithmarschen. Aufgrund der Tatsache, dass die Heider Kaserne die letzte verbliebene Garnison im Kreis Dithmarschen ist, ist der Kommandeur nicht nur Ansprechpartner des Bürgermeisters der Stadt Heide, sondern ebenso des Landrats des Kreises Dithmarschen.

 

 

IV. Die gute Infrastruktur des Ausbildungsstandorts Heide

 

Der Standort Heide verfügt aufgrund seines über Jahrzehnte gewachsenen Ausbildungsauftrages über zahlreiche Ausbildungsanlagen und damit über eine vielfältige Ausbildungsinfrastruktur. In der Wulf-Isebrand-Kaserne stehen aktuell Unterkünfte für über 1.000 Lehrgangsteilnehmer zur Verfügung.

 

In unmittelbarer Nähe zum Standort Heide (ca. 12 km Entfernung) befindet sich der Standortübungsplatz „Gut Riese“ mit einer Größe von ca. 313 ha. Der Standortübungsplatz eignet sich insbesondere zur Durchführung der militärischen Basisausbildung. Darüber hinaus kann dort auch Ausbildung in Vorbereitung auf Auslandseinsätze der Bundeswehr durchgeführt werden.

 

Die Schießanlage Gaushorn liegt nur ca. 7 Kilometer von der Wulf-Isebrand-Kaserne entfernt. Sie ist bereits teilweise umgebaut worden und wird aktuell weiter modernisiert. Nach vollständigem Abschluss dieser Maßnahme verfügt der Standort über ausreichend Schießstände für Kurz- und Langwaffen, die dem neuesten Stand militärischer Forderungen entsprechen.

 

Für die Ausbildung zur Vorbeugung und Abwehr von Gefahren durch Kampfmittel stehen in der Wulf-Isebrand-Kaserne Heide detailgetreu eingerichtete Hallen zur Verfügung. Mit dieser Ausbildungsinfrastruktur und mit dem vorhandenen Fachpersonal ist die III. Lehrgruppe USLw in der Lage,  die Themenbereiche "Minen und Sprengfallen" theoretisch und praktisch qualitativ hochwertig auszubilden. Im Rahmen freier Kapazitäten werden bereits heute Nachbarverbände ausgebildet und somit auf konkrete Einsätze vorbereitet.

 

Der III. Lehrgruppe stehen 3 computergestützte Schießsimulatoren zur Verfügung, mit der das Schießen des Einzelnen und das Schießen kleiner Gruppen geübt werden kann. Hierbei können auch realistische Einsatzbedingungen simuliert werden. Die Schießsimulatoren bieten die Möglichkeit, auf kostengünstige und umweltschonende Weise die Zielsicherheit der Schützen zu erhöhen und Handlungssicherheit für den scharfen Schuss zu vermitteln.

 

Neben einem Sportplatz und einer Sporthalle stehen in der Wulf-Isebrand-Kaserne für eine abwechslungsreiche Sportausbildung auch eine Military-Fitness-Bahn, ein Kraftraum sowie ein Cardioraum mit modernsten Geräten zur Verfügung.

 

Des weiteren verfügt der Standort Heide über eine Servicestation der LHBw zur Einkleidung der Soldatinnen und Soldaten. Derzeit wird die Einkleidung von bis zu 625 Unteroffizier- und Feldwebelanwärter der Luftwaffe innerhalb einer Woche durch die LHBw in Heide problemlos durchgeführt.

 

 

V. Künftige Möglichkeiten und Optionen des Standorts Heide

 

Aufgrund der Infrastruktur/Ausbildungsanlagen und der Qualifikation des militärischen sowie zivilen Ausbildungspersonals bietet der Standort Heide vielfältige Möglichkeiten für eine zukünftige Nutzung der Wulf-Isebrand-Kaserne.

 

1. Jetzigen Ausbildungsauftrag fortsetzen

Die erste Option muss sein, den jetzigen Ausbildungsauftrag weiterhin professionell und erfolgreich unter Ausnutzung der guten vorhandenen Ressourcen durchzuführen.

 

2. Intensivierung der Sprachausbildung

Alternativ denkbar wäre die zahlenmäßige Intensivierung der Sprachausbildung, sofern aufgrund der Reform weniger Unteroffizier- und Feldwebelanwärter für die Luftwaffe eingestellt würden und diese Aufgabe am Standort erhalten bliebe. Voraussetzung hierfür wäre allerdings eine Erhöhung des zivilen Lehrpersonals.

 

3. Basis-Grundausbildung der Luftwaffe

Sollte der Unteroffiziergrundlehrgang weiterhin am Standort Heide durchgeführt werden, aufgrund der Reform jedoch in etwas geringerer Stärke und die Sprachausbildung zahlenmäßig nicht wesentlich aufwachsen, ermöglicht die vorhandene Infrastruktur und die Quantität sowie Qualität der Ausbildungsanlagen auch die militärische Basisausbildung der Luftwaffe für die zukünftigen freiwilligen Kurzdiener und Soldaten auf Zeit.

 

4. Regionales Ausbildungszentrum Nord

Für den Fall einer Verlagerung des Unteroffiziergrundlehrganges an den Standort Appen wäre am Standort Heide durchaus ein "regionales Ausbildungszentrum Nord“ zur Ausbildung der zukünftigen freiwilligen Kurzdiener und Soldaten auf Zeit der gesamten Bundeswehr denkbar.

 

5. Ausbildungsstützpunkt Schießausbildung

Am Standort Heide werden derzeit erfahrene Stammsoldaten ausgebildet, um künftig die an die Erfordernisse des Einsatzes angepasste neue Schießausbildung lehren dürfen. Mit der modernen Schießanlage Gaushorn und dem dann hoch qualifizierten Personal bietet sich der Standort Heide ebenfalls als ein Ausbildungsstützpunkt für die Schießausbildung der Luftwaffe, wenn nicht sogar der gesamten Bundeswehr an.

 

Der Standort Heide bietet insgesamt alle Voraussetzungen im infrastrukturellen und personellen Bereich, um auch nach der Strukturreform eine qualitativ hochwertige und einsatzorientierte Ausbildung für die Bundeswehr in den unterschiedlichsten Facetten (Unteroffizierausbildung, militärische Basisausbildung, Schießausbildung, Sprachausbildung) sicherzustellen.

 

 

VI. Bundeswehr für den Katastrophenschutz unverzichtbar

 

Die Bundeswehr ist für den Katastrophenschutz unverzichtbar. Sie hat zentrale Bedeutung bei Großschadenslagen, bei denen es besonders auf massiven Personaleinsatz ankommt, wie bei Sturmfluten oder Überschwemmungen. Es liegt auf der Hand, dass dies für den Kreis Dithmarschen, der vom Eidersperrwerk bis zum Kernkraftwerk Brunsbüttel über Küstenschutzdeiche auf einer Länge von über 82 km verfügt, von ganz besonderer Bedeutung ist.

 

Nach dem Grundgesetz können die Länder bei einer Naturkatastrophe oder einem besonders schweren Unglücksfall die Streitkräfte anfordern. In einer umfangreichen, mit den zivilen Behörden abgestimmten Alarmplanregelung hat die Bundeswehr ein detailliertes Regelwerk für Wasser-, Unwetter-, Brand- und Schneekatastrophen sowie für sämtliche technischen Großschadensfälle erlassen. Dies befähigt sie schnell und umfassend zu helfen.

 

Aufgrund ihrer Aufgabenstellung, der Ausrüstung und der guten Ausbildung der Soldaten ist die Bundeswehr in den Planungen des Kreises Dithmarschen zur Katastrophenabwehr ein fester Bestandteil. Über das Kreisverbindungskommando ist sie in beratender Funktion im Katastrophenschutzstab in gemeinsame Planungen und Übungen eingebunden.

 

Darüber hinaus ist aber auch die kurzfristige Bereitstellung von Soldatinnen und Soldaten im Katastrophenfall im Kreis Dithmarschen wegen seiner besonderen Gefährdungslage von großer Bedeutung. Neben den Gefahren durch Sturmfluten oder Überschwemmungen sind aufgrund des Kernkraftwerks Brunsbüttel und der 12 unter die Störfall-Verordnung fallenden Betriebe, zu denen insbesondere Betriebe der Chemischen Industrie gehören, realistische Szenarien denkbar, in denen ein schneller Rückgriff auf das Kräftepotenzial der Bundeswehr erforderlich wäre. Eine ausgedehnte Gefährdungslage allein mit den originären Kräften zur Katastrophenabwehr, wie z. B. der Feuerwehr und des THW stemmen zu wollen, stellt ein erhebliches Risiko dar.

 

Vor diesem Hintergrund würde eine Auflösung oder nennenswerte Schwächung des letzten in Dithmarschen verbliebenen Bundeswehrstandorts Heide die Katastrophenabwehr des Kreises Dithmarschen nicht nur empfindlich treffen, sondern sogar insgesamt nachhaltig in seiner Substanz gefährden.

 

 

VII. Fazit

 

Die Bundeswehr ist ein fester Bestandteil des gesamten Lebens in Dithmarschen und genießt hier höchste Akzeptanz. In der strukturschwachen Region ist sie ein bedeutender Arbeitgeber und ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.

 

Der Standort Heide ist militärisch und wirtschaftlich gut aufgestellt, da er über eine hervorragende Infrastruktur verfügt, die sich auf vielfältige Weise insbesondere im Bereich einer zukunftsgerichteten Ausbildung nutzen lässt.

Neben seiner jetzigen bewährten Aufgabe könnten sich im Zuge der Umstrukturierung der gesamten Bundeswehr weitere oder andere Nutzungsoptionen für den Bundeswehrstandort Heide anbieten, die ebenfalls militärisch und wirtschaftlich wertvoll wären. So wäre der Standort besonders geeignet für die Intensivierung der Sprachausbildung wie auch für die militärische Basisausbildung der Luftwaffe. Auch die Nutzung für die gesamte Bundeswehr als „Regionales Ausbildungszentrum Nord“ bietet sich an. Zudem könnte hier ein Ausbildungsstützpunkt für die einsatzorientierte Schießausbildung aufgebaut werden.

Insgesamt stellt sich Heide damit sowohl militärisch als auch wirtschaftlich als einsatzorientierter Zukunftsstandort der Bundeswehr dar.

 

Zudem ist die Bundeswehr mit ihrem letzten in Dithmarschen verbliebenen Standort Heide auch für den Katastrophenschutz angesichts von 82 km Küstenlinie unverzichtbar.

 

Somit spricht vor dem Hintergrund der objektiv vorgebrachten militärischen, wirtschaftlichen und strukturpolitischen sowie katastrophenschutz-technischen Fakten alles für den Erhalt bzw. Ausbau des Bundeswehrstandortes Heide.

 

 

Der Kreis Dithmarschen und die Stadt Heide werden alles uns mögliche unternehmen, um unsere Bundeswehr in Heide zu erhalten und zu stärken.

 

Heide, den 02. Februar 2011

 

 

 

Dr. Jörn Klimant

Landrat des Kreises Dithmarschen

 

 

Karsten Peters

Kreispräsident des Kreises Dithmarschen

 

 

Ulf Stecher

Bürgermeister der Standortstadt Heide,

zugleich Patenstadt der 12. Inspektion

 

 

Franz Helmut Pohlmann

Bürgervorsteher der Standortstadt Heide,

zugleich Patenstadt der 12. Inspektion

 

 

Wir, die Vertreter der weiteren Patengemeinden, unterstützen das Strategiepapier des Kreises Dithmarschen und der Stadt Heide ausdrücklich:

 

Anke Marohn und Sigrid Brandt

Bürgermeisterinnen der Gemeinden Hemmingstedt und Lieth,

zugleich Patengemeinden der 11. Inspektion

 

 

Hans-Georg Klarmann,

Bürgermeister der Gemeinde Lohe-Rickelshof,

zugleich Patengemeinde der 13. Inspektion

 

 

Martin Nienhüser

Bürgermeister der Gemeinde Ostrohe,

zugleich Patengemeinde der 9. Inspektion

 

 

Edgar Lehmann und Konrad Kaeding

Bürgermeister der Gemeinden Weddingstedt und Wesseln,

zugleich Patengemeinden Patengemeinde der 10. Inspektion

 

 

Peter Schoof

Bürgermeister der Gemeinde Wöhrden,

zugleich Patengemeinde des Stab/Versorgungszuges III./USLw

 

 

 

 

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Pressegespräch zum Erhalt des Bundeswehrstandortes Heide im Heider Kreishaus
zusammen mit Bürgermeistern und Landtagsabngeordenten und Landrat

 

 

 

 

www.dithmarschen.de

 

04.02.2011
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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