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Dithmarscher Barockkomponist Thomas Selle: Posthumes Gastspiel in Heide und Meldorf

MELDORF (pid). In Hamburg als Koryphäe und Wegbereiter der Kirchenmusik gefeiert, in Dithmarschen verkannt. Dabei verbrachte der Sachse Thomas Selle, genannt Sellius, die ersten zehn Jahre seines Berufslebens von 1624 bis 1634 als Lehrer in Heide und Leiter der Kirchenmusik in Wesselburen. Am 4. Januarwochenende 2011 gibt der Leipziger Thomaner in seiner Wahlheimat Dithmarschen ein posthumes Gastspiel.

 

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Dithmarscher Barockkomponist Thomas Selle:
Gibt in Heide und Meldorf ein posthumes Gastspiel

 

Das Ensemble Metamorfosi spielt originale Stücke aus dem alten Dithmarschen: Sonnabend, 22. Januar, 18 Uhr in Heide, St. Jürgen Kirche. Sonntag, 23. Januar, 17 Uhr im Meldorfer Dom. Zuvor referiert der Musikwissenschaftler Ulf Grapenthin ab 15 Uhr im Dithmarscher Landesmuseum Meldorf, Bütjestraße 2-4. Eintritt: Konzert je 12 Euro (ermäßigt 7 Euro), Kombikarte 20 Euro. Karten im Vorverkauf: Evers-Papier, Meldorf, Dritte-Welt-Laden, Heide, sowie an der Abendkasse bei den Kirchen.

Zwischen St. Jürgen (Heide) und St. Bartholomäus (Wesselburen) legte der Leipziger Thomaner den kompositorischen Grundstein für sein in Fachkreisen hochgelobtes musikalisches Lebenswerk. Hier und in Itzehoe entstanden elf Bücher, von denen zehn mit insgesamt 100 Stücken in Text und Noten erhalten sind. Metamorfosi hat das Thema mit seiner Stilvielfalt für sich entdeckt und den Stoff für die Konzerte in Dithmarschen bearbeitet.

"Einige der teilweise erotischen Texte würden gewiss einer protestantischen Bürgersfrau Schamesröte ins Gesicht haben steigen lassen", urteilt Ensemble-Mitglied und Selle-Expertin Monika Mandelartz.

Zu Ehren des Komponisten für Kirchenmusik gibt das Ensemble Metamorfosi zwei Konzerte. Das Septett besteht aus Julla Schmidt (Sopran), Benjamin Glaubitz (Tenor), Sönke Tams freier (Bass), Carmen Gabinski (Viola da Gamba), Karsten Köppen (Laute), Eckhart Kuper (Cembalo) und Monika Mandelartz (Harfe und Blockflöte).

Ulf Grapenthin stellt das Musikleben aus der Zeit Selles im Dithmarscher Landesmuseum vor. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe heißt das Konzert in Heide "Musica, du edle Kunst". Im Meldorfer Dom greift das Ensemble Metamorfosi mit „Die Güte deß Herren“ Selles Frühwerk auf.

Neben weltlicher und geistlicher Musik auf deutsch und Latein, widmete er sich der Dichtung teils volkstümlich derb, teils huldvoll für die Fürsten oder für Messen und Psalmen. In diesen Texten spiegelt sich ein Stück bislang noch nicht entdeckter Dithmarscher Kulturgeschichte aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Selle verfasste in Dithmarschen sechs Hymnen auf die Gottorpher Fürsten. Fest steht: In Heide begann seine steile berufliche Karriere.

1629 gründete der Zeitgenosse des Dithmarscher Chronis-ten Neocorus und gelehrte Cantor, Mitglied des Heider Schulkollegiums - mit vollem Titel 'Scholae Heidanae Collega' - 1629 mit der Husumer Bürgerstochter Anna Weihe in Dithmarschen seine Familie. Hier lernte Selle beim Heider Landschreiber Heinrich Sager, den deutschen Dichter und späteren kaiserlichen Hofpfalzgrafen Johann Rist, dessen Verse er vertonte, kennen.

Mit 35 Jahren wechselte Selle als Wegbereiter der neuen Kirchenmusik im Geiste des Reformators Bugenhagens als Kantor nach Itzehoe, um schließlich in Hamburg 22 Jahre als Musikdirektor der vier Hauptkirchen zu wirken. Unterstützt von der Kaufmannschaft untermalte Selle 1648 die Feierlichkeiten zum Friedensschluss des 30jährigen Krieges nach Art des Barock. Am 2. Juli 1663 starb der gebürtige Zörbiger im Alter von 64 Jahren an der Elbe.

Selles Wirken ist ein gutes Beispiel für die Musikpraxis in Schleswig-Holstein während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Veranstalter erinnern mit den Konzerten in Heide und Meldorf vor allem an die noch nicht so bekannte frühe Schaffensphase des bedeutenden Wahldithmarscher Barockkomponisten.

 

www.dithmarschen.de

 

07.01.2011
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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