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Schwerlastverkehr auf Wirtschaftswegen: Zu schwer, zu schnell, zu breit


HEIDE (pid). Die Substanz der Wirtschaftswege im Kreis Dithmarschen muss auf jeden Fall erhalten bleiben. In diesem Punkt sind sich alle Beteiligten des Runden Tisches, zu dem der Wegeunterhaltungsverband eingeladen hatte, einig. Das Problem sind die dort verkehrenden landwirtschaftlichen Fahrzeuge: Sie sind zu schwer, zu schnell, zu breit. Der dadurch verursachte Instandhaltungsaufwand ist nicht auf Dauer finanzierbar. Jann Lorenzen, Vorsteher des Wegeunterhaltungsverbandes Dithmarschen: "Maschineller Fortschritt und Wirtschaftlichkeit sind geboten – aber die Grenze für die Verkehrsbelastungen ist erreicht."

Ganz typisch: Die geschwindigkeitsbedingte Stoßbelastung für den Untergrund wird zumeist unterschätzt.  "Immerhin", so Lorenzen, "entspricht die Belastung durch ein 40-Tonnen-Fahrzeug bei Tempo 60 km/h dem Äquivalent von 10.000 PKW." Weil der Wegeunterbau für solche Gewichte und Geschwindigkeiten nicht ausgelegt ist, bricht die Tragschicht durch. Sämtliche Oberflächenbehandlungen sind dann sinnlos.

Jann Lorenzen: "Allen ist bekannt, dass landwirtschaftliche Fahrzeuge ganz erheblich schwerer geworden sind und schneller gefahren werden, als vor Jahrzehnten, als die Wirtschaftswege geplant und gebaut wurden." Die Wege sind den Verkehrsbelastungen nicht mehr gewachsen – für Gewichte von 40 Tonnen und Geschwindigkeiten von zum Teil mehr als 40 km/h sind sie nicht stabil genug. Dazu kommt laut Lorenzen ein dritter Schwachpunkt: "Unsere Wege sind zu schmal für Begegnungsverkehr der auch breiter gewordenen Fahrzeuge und Maschinen."

Abhilfe gibt es möglicherweise durch den Ausbau so genannter Kernwege, gewissermaßen Hauptwirtschaftswege. Den zurzeit in den Gemeinden anstehenden Entscheidungen zur Bildung eines Kernwegenetzes liegt zugrunde, dass solche "Hauptwege" mit einem Aufwand von etwa 300.000 €/km 4,50 m breit ausgebaut werden. Gräben und Knicks werden zum Teil zu versetzen sein.

Selbst bei 50 prozentiger Förderung wird sich ein hoher Eigenfinanzierungsanteil der Gemeinden als Straßenbaulastträger ergeben. Es ist durchaus möglich, dass die Erhebung von Ausbaubeiträgen Förderungsbedingung wird. Landanlieger müssten wegen der hohen Interessenquote in der Hauptsache damit belastet werden.

Kostengünstiger ist die von Eckart Reese, Geschäftsführer des Lohnunternehmerverbandes Schleswig-Holstein, eingebrachte Überlegung, Straßenbelastungen durch die bei Heckeinfahrten in engen Kurvenradien drehenden Fahrzeuge zu vermindern: Zwei Einfahrten benachbarter Flächen sollen zu einer gemeinsamen cirka 18 m breiten Einfahrt so zusammengelegt werden, dass sie zugleich als Ausweiche genutzt werden kann. Die Gemeinde Süderdorf plant bereits Ähnliches, wie Bürgermeister Klaus-Willi Hinrichs berichtet.

Hermann Schnauer, Verbandsverwaltung: "Naturschutz- und wasserbehördliche Belange stehen nach Auskunft der Kreisverwaltung nicht entgegen. Ausgleichsmaßnahmen für Knicks sind 1:1,5 geboten, Verrohrungen mit mindestens 40 cm Durchmesser."

Von Seiten der Lohnunternehmer kam der Vorschlag, dass maximal 25 km/h auf Wirtschaftswegen gefahren wird. Hier hilft, wenn die Dienstleistung nicht nach Tonnage sondern stundenweise abgerechnet wird.

Grundsätzlich sollten Lohnunternehmer Schäden auf Fahrbahnen und Banketten aufkommen, die sie durch unangemessenen Fahrstil verursacht haben, selbst wieder beseitigen.

Angela Stahl, Fachdienst Straßenverkehr der Kreisverwaltung: "Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gewichtsbeschränkungen durch Verkehrszeichen lassen sich mit vorhandenen Kräften nicht kontrollieren und kommen deshalb nicht in Betracht. Wir müssen an die Einsicht aller Beteiligten appellieren." Die Lohnunternehmer haben Aufklärung der Fahrer und Aufkleber in und an ihren Fahrzeugen angeregt.

Nur wenn alle Beteiligten ihrer Einsicht Taten folgen lassen, indem sie auf größer, schwerer und schneller verzichten, kann die Substanz der Dithmarscher Wirtschaftswege erhalten bleiben. Der Verbandsvorsteher: "Wenn es nicht klappt, kommt irgendwann die Fräse, dann ist es vorbei mit schnell und schwer."

Spätestens im Herbst wird sich beim nächsten Runden Tisch im Kreishaus zeigen, welche konkreten Schritte eingeleitet werden. Die Zukunft der Substanz der Dithmarscher Wirtschaftswege steht am 30. November 2011 erneut beim Runden Tisch des Wegeunterhaltungsverbands auf der Tagesordnung.

www.dithmarschen.de

 

18.03.2011
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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