Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

"Rückenwind" und Fachochschule Westküste präsentieren Ergebnisse der Mobilitätsstudie "Wie mobil und flexibel sind Jugendliche bei der Berufsorientierung?": Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und Flexibilität

HEIDE. Die qualitative Mobilitätsstudie „Wie mobil und flexibel sind Jugendliche bei der Berufsorientierung?“ der Fachhochschule Westküste und des überregionalen Praktikumsnetzwerkes „Rückenwind – Jugendmobilität Westküste“ startete Ende 2018 – jetzt liegen die Ergebnisse vor. Ziel der qualitativen Erhebung war es, sich ein Bild über die räumliche Mobilität und Flexibilität der Jugendlichen bei ihrer Berufswahl zu machen. Außerdem wurde untersucht, wie soziale Gegebenheiten und Geschlechterrollen diesen Prozess beeinflussen. Danach zeichnet sich bei den Schüler*innen der Wunsch nach mehr Selbstständigkeit und Flexibilität bei der Berufsorientierung und der Berufswahl ab. Das Fahrrad ist für die Jugendlichen das Hauptverkehrsmittel. Norddeutschland ist bei ihnen für eine Ausbildung angesehen. Auch zeigen die Schüler*innen laut der Studie eine hohe Bereitschaft, für einen zukünftigen Beruf umzuziehen.


Studienleiterin und Referentin Esther Nauenburg von der Fachhochschule Westküste (Praxis-Lehr-Transfer, WinHR) berichtete über eine positive Resonanz der Schüler*innen auf die Befragung und das dafür gewählte Format: „Die Jugendlichen empfanden die Teilnahme an der Gruppendiskussion als gute Möglichkeit, sich konzentriert mit dem Thema Berufswahl auseinanderzusetzen. Auch konnten sie sich über ihre Erfahrungen bezüglich der Angebote der Schule, Politik und Unternehmen zum Thema Berufsorientierung und Ausbildung austauschen.“

„Rückenwind“-Projektkoordinatorin Andrea Richter erklärte: „Die Studie gibt uns eine gute Basis für unsere Arbeit. So können wir noch gezielter auf die Jugendlichen zugehen und frühzeitig Vorurteile und Ängste vor dem ersten Schritt ins Berufsleben abbauen. Schließlich ist das geglückte Ankommen in der Berufswelt eng mit einer reflektierten Mobilität und Flexibilität verbunden.“


Mobilität und Ankommen in der Berufswelt

Im Kern ging es bei der qualitativen Befragung um folgende Themen: Wie sieht der Prozess der Berufswahl genau aus bei den Jugendlichen? Wie schätzen Jugendliche ihre räumliche Mobilität ein? Welche sozialen Gegebenheiten beeinflussen die Berufswahl? Wie flexibel sind die Jugendlichen bei der Realisierung ihrer beruflichen Vorstellungen? Welche Bedeutung haben Geschlechterrollen für die Berufswahl von Jugendlichen?
Studierende im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie befragten dazu Jugendliche an zwölf Schulen in Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg und Steinburg. Sie wurden dabei durch das „WinHR – Westküsteninstitut für Personalmanagement“ der Fachhochschule Westküste unterstützt.
An dem Fallstudienseminar „Mobilitätsstudie: Wie mobil und flexibel sind Jugendliche bei der Berufsorientierung?“ nahmen elf Studierende im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie mit dem Schwerpunkt Personal teil. Für die Studie haben sie selbst Fragen für die Schüler*innen der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien ausgearbeitet.

An der Studie beteiligten sich folgende Schulen: aus dem Kreis Dithmarschen die Eider-Nordsee-Schule mit den Standorten Hennstedt und Wesselburen, die Meldorfer Gelehrtenschule sowie das Werner-Heisenberg-Gymnasium (Heide); aus dem Kreis Nordfriesland die Emil-Nolde-Schule (Neukirchen) sowie die Gemeinschaftsschule Bredstedt; aus dem Kreis Steinburg das Regionale Berufsbildungszentrum des Kreises Steinburg (Itzehoe), die Wilhelm-Käber-Schule (Hohenlockstedt), die Klosterhof-Schule (Itzehoe) sowie die Gemeinschaftsschule Wilster; aus dem Kreis Pinneberg das Johann-Rist-Gymnasium (Wedel) sowie das Ludwig-Meyn-Gymnasium (Uetersen).
Insgesamt nahmen 76 Schüler*innen an der qualitativen Befragung teil.

Erforschten mit ihrer Studie die Lebenswelt der Schüler*innen an der Schwelle zum Berufsleben: Studienleiterin und Referentin Esther Nauenburg (vorne links), Institutsleiter Prof. Dr. Tim Warszta (vorne 2. v. l.) und Projektkoordinatorin Andrea Richter (vorne rechts) und die Studierenden im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie der Fachhochschule Westküste. Foto: Kreis Dithmarschen

Erforschten mit ihrer Studie die Lebenswelt der Schüler*innen an der Schwelle zum Berufsleben: Studienleiterin und Referentin Esther Nauenburg (vorne links), Institutsleiter Prof. Dr. Tim Warszta (vorne 2. v. l.) und Projektkoordinatorin Andrea Richter (vorne rechts) und die Studierenden im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie der Fachhochschule Westküste. Foto: Kreis Dithmarschen


Überblick der Studienergebnisse

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass für die befragten Schüler*innen die räumliche Mobilität insbesondere bei der Praktikums- und Ausbildungswahl eine entscheidende Rolle spielt.

Das Fahrrad ist für die Schüler*innen das Hauptverkehrsmittel – sowohl in der Freizeit als auch auf dem Weg zur Schule oder zum Praktikum. Bei zum Beispiel weiter entfernten Praktikumsstellen fahren in den meisten Fällen die Eltern ihre Kinder. Auch ist Norddeutschland als Region für eine Ausbildung angesehen. Allgemein weisen die Jugendlichen einen hohen regionalen Bezug bei der Praktikums- und Ausbildungswahl auf.
Wenn es um die Berufswahl geht, hohlen sich die Schüler*innen oft zunächst Rat von ihrer Familie und tauschen sich mit Freunden aus. Eltern unterstützen häufig ihre Kinder bei der Entscheidungsfindung, während die Schulen und Lehrkräfte die Informations- und Beratungsrolle einnehmen. Berufsinformationstage werden überwiegend positiv wahrgenommen, allerdings sind viele Veranstaltungen räumlich zu weit für die Jugendlichen entfernt und nur schwer – ohne Auto und angewiesen auf den ÖPNV oder das Rad – zu erreichen.

In der Studie äußern die Teilnehmer*innen den Wunsch, dass sie Entscheidungen über den zukünftigen Beruf selbst treffen wollen. Dabei lehnen die Jugendlichen vor allem Geschlechtersterotypen ab und lösen sich zunehmend von den Klischeebildern der „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Berufe.

Überwiegend entscheiden die Jugendlichen sich für einen zukünftigen Praktikums- beziehungsweise Arbeitsplatz nach den Kriterien Interesse/Spaß, soziale Aspekte (z. B. geregelte Arbeitszeiten) und Finanzen. Praktika empfinden die Befragten als hilfreich und sie haben grundsätzlich gute Erfahrungen damit gesammelt. Jedoch berichten einige Schüler*innen über vergangene Praktika, dass sie aufgrund der eingeschränkten Mobilität und der begrenzten zeitlichen Verfügbarkeit eines Schulpraktikums wenige Auswahlmöglichkeiten besaßen. Das führte nach Aussage der Befragten dazu, dass sie für ein Schulpraktikum auch zum Beispiel auf „Vitamin B“-Beziehungen oder nicht den eigenen Interessen entsprechende Angebote zurückgreifen mussten.

Bei der Realisierung ihrer beruflichen Vorstellungen zeigen die Schüler*innen laut der Studie eine hohe Flexibilität und Bereitschaft, für eine Arbeitsstelle umzuziehen. 38 Prozent der Teilnehmer*innen haben bereits konkrete Berufsvorstellungen und 44 Prozent vage Vorstellungen. 54 Prozent der Gymnasiast*innen bevorzugen ein Studium und 42 Prozent der Gemeinschaftsschüler*innen eine Ausbildung.


Handlungsempfehlungen an die Politik, Unternehmen und Schulen

Aus den erhobenen Daten und den daraus gewonnenen Kenntnissen leiten die Studierenden folgende Handlungsempfehlungen für die Politik, Bildungseinrichtungen und Unternehmen ab:

Der Politik schlagen sie günstige ÖPNV-Tickets für Azubis vor und fordern, dass sie stärker Kampagnen und Projekte zur Berufswahl fördern sollen. An die Unternehmen richten sie den Appell, präsenter an den Schulen zu sein als zum Beispiel „Guest Speaker“ oder zur Unterstützung von Arbeitsgemeinschaften. Auch sollten Betriebe vermehrt die Chance von Berufsmessen nutzen. Ebenfalls empfehlen die Studierenden den Schulen, das sie die Schüler*innen stärker bei Berufsorientierungsthemen einbinden, interne Praktikumsmessen (Schüler*innen informieren Schüler*innen) einführen sowie ein Berufsorientierungskonzept entwickeln.


Rückenwind – Jugendmobilität Westküste

Weitere Informationen zum überregionalen Praktikumsnetzwerk „Rückenwind – Jugendmobilität Westküste“ sowie über das Praktikumsportal gibt es unter www.praktikum-westküste.de.

Die Praktikumsoffensive „Rückenwind – Jugendmobilität Westküste“ der Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg und Steinburg wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aus dem Förderprogramm „Kommunen innovativ“ unterstützt.

Autor: Pressestelle, 08.02.2019 
Quelle: Kreis Dithmarschen 

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