Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Aktionsbündnis Dithmarschen: "Keine Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen"

Dithmarschen. „Keine Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen“ ist die Botschaft, die das Dithmarscher Aktionsbündnis gegen Gewalt auch an diesem 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, vermittelt.

Seit 2001 haben die Organisator*innen mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen rund um den 25. November auf das Thema Häusliche Gewalt, deren Folgen und Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Hierzu zählen auch die bedruckten Brötchentüten – „Gewalt kommt nicht in die Tüte" in Kooperation mit dem Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks (LIV), den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in SH und den lokalen Bündnissen 'Gewalt gegen Frauen'. Die Tüten wurden auf Wochenmärkten in Brunsbüttel, Burg, Heide, Marne, Meldorf, den Heider Einkaufsstraßen und vor Supermärkten verteilt.
Die Verteilaktionen führten zu informativen Gesprächen mit vielen interessierten Menschen.

Leider können diese Aktionen und weitere geplante Veranstaltungen unter den Verordnungen zur Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Wir Mitglieder des Dithmarscher Aktionsbündnisses gegen Gewalt an Frauen, Mädchen und Jungen bedauern das sehr, da gerade der direkte Kontakt mit den Menschen besonders wichtig für uns ist!

Allerdings werden die beteiligten Bäckereien im Zeitraum vom 23. bis 28. November Backwerk in den Aktionstüten ausgeben.

Zudem werden im gesamten Kreisgebiet vom 23. bis 29. November wie in den Vorjahren an öffentlichen Gebäuden und Institutionen die Fahne "Frei Leben - ohne Gewalt" gehisst. Mit von der Partie sind auch in diesem Jahr die Sparkasse Westholstein, die Raffinerie Heide GmbH und erstmals alle 14 Gemeinden des Amtes Burg-St. Michaelisdonn.

Zur Aktualität unserer Aktionen:

„Gewalt gegen Frauen ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig, sie kommt in allen sozialen Schichten und Altersgruppen vor. Besonders verbreitet ist Gewalt im familiären oder häuslichen Bereich. Jeden dritten Tag wird nach einer Statistik des BKA in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Expartner getötet.”, sagt Uta Katharina Hippler vom Frauenhaus Dithmarschen.
Das Frauenhaus Dithmarschen hat 2019 66 Frauen und 84 Kindern Zuflucht und Schutz geboten, insgesamt also 150 Personen. Aus Platzgründen konnten 44 Frauen und 84 Kinder (128 Personen) nicht aufgenommen werden!

„Gerade in dieser besonderen Zeit ist es umso wichtiger ‚Flagge‘ zu zeigen und sich für das 3-fache Ziel: Beendigung der Gewalt – Schutz und Unterstützung der Opfer – die In-Verantwortung-Nahme und Hilfe für Täter – einzusetzen. Das braucht ein gesamtgesellschaftliches Bündnis und den entschiedenen Einsatz gegen diese inakzeptablen Taten“, erklärt KIK-Koordinatorin Kerstin Hansen.

2019 gab es in Dithmarschen 207 polizeiliche Einsätze bei Häuslicher Gewalt. In 19 Fällen wurde
eine Wegweisung ausgesprochen. Außerdem ist die Polizei 2019 über 28 erlassene Gewaltschutzanordnungen vom Amtsgericht informiert worden.

Die Rückmeldungen der Institutionen sind eindeutig: Die Corona-Krise, der wochenlange Lockdown, die häusliche Isolation, die Betreuung der Kinder, haben die Probleme in den Beziehungen ansteigen lassen. Die Corona-Zeit wirkt wie ein Brennglas auf bestehende Problemlagen.
2019 hat die Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen – Notruf und Beratung“ 1031 Frauen persönlich, telefonisch oder per Mail beraten (124 Frauen hatten einen Migrationshintergrund).
2020 ist von einer ähnlichen Beratungszahl auszugehen. Auch wenn die Zahlen nicht sehr viel höher sind, ist die Härte der Fälle angestiegen. Um die Beratung für möglichst viele Frauen zu ermöglichen, gibt es ein neues Angebot auch in Dithmarschen:
Online Kontakt zur Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ per „text us“:
„Zusätzlich zu den Möglichkeiten, sich telefonisch beraten zu lassen oder persönlich in eine unserer Beratungsstellen zu kommen, können Sie auch eine Onlineberatung über „text us“ in Anspruch nehmen. Während ein Austausch über vertrauliche Beratungsinhalte per klassischer E-Mail kein sicherer Weg ist, erfolgt die Kommunikation über „text us“ datengeschützt, und nur Sie und Ihre Beraterin haben Einblick in Ihren Beratungsverlauf“, erläutert die Beraterin Jutta Neubauer.

Die Frauen müssen dazu keine App installieren, sondern sich lediglich einmal registrieren, egal ob mit einem Laptop, Smartphone oder im Internet-Café. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von www.frauenberatung-dithmarschen.de.

Bei Häuslicher Gewalt sind in vielen Fällen Mädchen und Jungen als Zeug*innen betroffen: Das Kinderschutzzentrum Westküste hatte in 2019 120 Anmeldungen, davon 21 explizit zum Thema häusliche Gewalt und 15 zu Trennung und Scheidung. Das heißt ¼ aller Anmeldungen sind zum Thema häusliche Gewalt, weitere 18 Prozent zu hochstrittiger Trennung und Scheidung.

Bedeutender denn je ist es in der jetzigen Situation, dass wichtige Telefonnummern, Hilfsangebote und solidarische Unterstützung eine weite Verbreitung, eine große Öffentlichkeit erfährt.

Die Fahnen »Frei leben« setzen ein Zeichen gegen Gewalt. Foto: Kreis Dithmarschen

Die Fahnen »Frei leben« setzen ein Zeichen gegen Gewalt. Foto: Kreis Dithmarschen

Hintergrund zum Internationalen Gedenktag am 25. November

Am 25. November 1960 wurden die Aktivistinnen und Schwestern Mirabel auf Geheiß von Diktator Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik ermordet. Zu Ehren der drei Schwestern riefen Frauenrechtlerinnen in der Karibik 1981 ihren Todestag zum internationalen Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen aus. Seit 1999 ist der 25. November auch von den Vereinten Nationen als offizieller Gedenktag anerkannt. Am 25. November 2001 wurden auf Initiative von Terre des Femmes zum ersten Mal die Fahnen „Frei leben“ gehisst, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Aktionsbündnis Dithmarschen: Frauenhaus Dithmarschen, Beratungsstelle Frauen helfen Frauen, KIK-Netzwerk gegen Häusliche Gewalt, Ev. Frauenwerk Dithmarschen, Gleichstellungsbeauftragte Kreis Dithmarschen, Stadt Heide, Stadt Brunsbüttel, Amt Eider, Amt Marne-Nordsee, Amt Burg-St. Michaelisdonn und Filmclub Heide als Kooperationspartner

25.11.2020
Quelle: Gleichstellungsbeauftragte Kreis Dithmarschen

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