Gemeinsame Pressemitteilung des Kreises Dithmarschens und der Westküstenkliniken:
HEIDE. Die Westküstenkliniken verzeichnen einen starken Anstieg von Kindern, die von Tieren gebissen werden. Der Kreis Dithmarschen und die Kliniken appellieren daher an Tierhalter umsichtig zu sein und an Familien, Verhaltensregeln zu beachten, damit es insbesondere zwischen Hund, Katze und Kind nicht zu gefährlichen Missverständnissen kommt.
Hunde sind beliebte Haustiere und oft feste Familienmitglieder. Oft wachsen Kinder harmonisch mit den Tieren auf. Trotzdem ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, die Bedürfnisse und Grenzen des Hundes zu respektieren. Die meisten Konfliktsituationen entstehen nicht durch fremde Hunde, sondern im vertrauten Umfeld – häufig durch Missverständnisse oder ungewolltes Bedrängen des Tieres.
„Kinder und Hunde beispielsweise können ein starkes Team sein. Voraussetzung dafür ist, dass Erwachsene den Umgang begleiten und Kindern einen respektvollen und sicheren Umgang mit Hunden vermitteln“, erklärt Andrea Paarmann, Leiterin des Fachdienstes Ordnung, Zuwanderung, Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung vom Kreis Dithmarschen.
Der Kreis Dithmarschen empfiehlt insbesondere den Tierhaltern auf die Einhaltung der folgenden Verhaltensregeln zu achten.
• Kinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt zusammenlassen
• Hunde nicht beim Schlafen oder Fressen stören
• Hunde nicht umarmen oder bedrängen
• Direkten und starren Augenkontakt vermeiden
• Ruhig sprechen und hektische Bewegungen vermeiden
• Dem Hund die Möglichkeit geben, selbst über Kontakt zu entscheiden
• Rückzugsorte des Hundes respektieren
• Kinder frühzeitig an die Körpersprache von Hunden heranführen
• Warnsignale wie Knurren oder Zurückweichen ernst nehmen
Gerade die Erwachsenen tragen eine wichtige Verantwortung. Sie begleiten die Begegnungen zwischen Kindern und Hunden, erklären Verhaltensweisen und schaffen sichere Situationen für beide Seiten. So können Vertrauen, Respekt und echte Freundschaften entstehen.
Viele der genannten Verhaltensregeln können aber nicht nur auf Hunde angewendet werden. Auch durch Katzen oder andere Tiere im Haushalt, die sich zu wehren wissen, könne Kinder zum Teil gravierende Verletzungen davontragen.
Verletzungen ernst nehmen
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können Verletzungen durch Tierbisse oder Kratzer vorkommen. Bei Tierbissen sollte immer eine Ärztin oder Arzt aufgesucht werden.
„Ein Tierbiss ist immer ein Notfall. Denn durch Keime, die bei dem Biss zum Teil tief in das Gewebe eingebracht werden, drohen schwere Infektionen“, klärt Monique Palm, Oberärztin des Westkiz, der Kinderklinik der Westküstenkliniken in Heide, auf. „Gerade Katzenbisse werden unterschätzt, weil sie oberflächlich nicht so dramatisch aussehen.“
Das Team des Westkiz hat in den vergangenen Jahren einen signifikanten Anstieg von Tierbiss-Verletzungen verzeichnet. Im Schnitt wurde alleine 2025 jeden Tag ein Kind wegen eines Tierbisses im Westküstenklinikum Heide behandelt. 22 der Kinder mussten stationär aufgenommen werden. 2024 waren es 330 Fälle und sieben stationäre Aufnahmen gewesen.
„2026 sind die Zahlen aber schon jetzt ungewöhnlich hoch. In den ersten 5 Monaten haben wir bereits mehr als 150 Kinder mit Tierbissen gezählt, von denen 23 stationär behandelt werden mussten, also mindestens eine Nacht im Krankenhaus geblieben sind. Das sind enorm hohe Zahlen“, sagt Monique Palm.
Hunde beißen in neun von zehn Fällen zu, dann kommen Katzen. Aber auch die sich einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuenden Reptilien gehören zu den Übeltätern und übertragen beim Biss meist noch einen besonderen Keim-Cocktail.
„Die Hunde oder Katzen zeigen dabei meist ein natürliches Verhalten, in dem sie sich oder ihr Revier verteidigen. Die meisten der Verletzungen wären daher auch vermeidbar gewesen, wenn Tierhalter oder Aufsichtspersonen achtsamer gewesen wären und Konfliktsituationen vermieden hätten“, betont Monique Palm.
Die Westküstenkliniken sind gut auf die Versorgung von Bissverletzungen vorbereitet. Sowohl im Überregionalen Traumazentrum in Heide, wie in der Handchirurgie in Brunsbüttel werden regelmäßig schwerere Verletzungen durch Tierbisse bei Erwachsenen wie von Kindern operativ behandelt. Kinder werden dann in der Kinderklinik weiterversorgt.
Mit ihrer gemeinsamen Information möchten der Kreis Dithmarschen und die Westküstenkliniken das Bewusstsein für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang von Kindern und Hunden stärken. Durch Aufklärung, Prävention und gegenseitigen Respekt können viele gefährliche Situationen vermieden werden.